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Die erste Alpstaffel, das Quertal von Ribon, das von demparallel verlaufenden Averoletal durch das Charbonnelmassiv getrenntwird, steigt bis zirka 2200 m an.( Fig. 2.)
Dieses Tal, das von farbenprächtigen Hochmatten bedeckt ist, verläuft auf einerStrecke von etwa 5 km fast eben und fällt in einer Stufenmündung gegen das zirka 300 mtiefergelegene Haupttal ab.
Die Sennhütten sind im Ribontale nahe aneinandergebaut und bilden im ganzenvier Senndörfer, die je 6 bis 11 Hütten enthalten: Pierre Grosse( 2061 m) mit halb-verfallener St. Anna- Kapelle, in der bis vor 20 Jahren der Alpensegen erteilt wurde,Giaffa( 2064 m), Sossiez( 2085 m) und das höchstgelegene Arselle( 2163 m).( Taf. VIII, Fig. 2.)Die Sennhütten lehnen sich an Bergabhänge oder auch an Felsblöcke an und befindensich sämtlich auf dem rechten Ufer des Ribonbaches, der Sonnenseite.
Sowohl in Arselle als auch in den tiefer gelegenen Hütten des Ribontales bemerktman auf den Dächern und den daneben verstreut liegenden Felsen Kuhmistfladen, die ausErmangelung von Holz hier das einzige Brennmaterial bilden.( Vergl. Taf. VIII, Fig. 2.)Die Herstellung dieser„ galettes du fumier" ist nicht schwierig: eine Handvoll Kuhmistwird auf Dach oder Felsblock geworfen, mit einem flachen Hölzchen abgeklatscht undfladenartig geformt; hierauf läßt man die Masse acht bis zehn Tage in der Sonne trocknen.Nach einem sechswöchentlichen Aufenthalt im Tale des Ribonbegeben sich die Bessaner auf die zweite Alpstaffel, das heißtauf die Alpen von Vallon, auf die Alpen der Buffa und der Mottua( im Averoletal), die bis 2800 m hinaufreichen.
Diese Alpen liegen nicht in der Talsohle, sondern einige hundert Meter oberhalbderselben, auf ausgedehnten Hochplateaux oder in kleinen Quertälern. Die üppigen Wiesenund Weiden dieser Alpen, die sich über mehrere Kilometer erstrecken, bilden den Haupt-reichtum der Bessaner und entschädigen sie für so manche andere Entbehrungen.
Die Sennhütte. In den Bessaner Alpen findet man nurselten isoliert gelegene Hütten. Zumeist sind sie dicht nebeneinandergebaut und so zu Gruppen von 10 bis 15 Hütten, gewissermaßen zukleinen Senndörfern, die bis zirka 2500 m hinaufreichen, vereinigt.Diese Siedlungsart läßt sich, möglicherweise, durch das Bestrebenerklären, der Lawinengefahr auszuweichen und die sonnige Lagesowie auch die Nähe einer guten Quelle aufzusuchen.
Die Sennhütte( benna) ist ein niedriger, aus Trockenmauerwerk aufgeführterSteinbau, dessen schwach geneigtes Dach mit großen Schieferplatten( lauzes) beschwertist. Die Hütte lehnt sich in der Regel vollkommen an den Bergabhang an, so daß ihrrückwärtiger Teil zum Schutze vor der Lawinengefahr ganz vergraben ist.
Die Sennhütte setzt sich aus einem Untergeschoß, wo sich der Kuhstall befindet, undaus einem Erdgeschoß, das von der Küche und einem Milchkeller eingenommen wird,zusammen.( Taf. III, Fig. 4.)
In der Küche, die gleichzeitig auch Wohnraum ist, fallen vor allem die großen,kojenartig angebrachten Kastenbetten auf. Die Einstieg öffnung dieser Betten wird nichtwie unten im Tale mit Vorhängen, sondern mittels zweier hölzerner Schiebefenstergeschlossen, die auf Nuten horizontal gleiten. Dieser dichte Abschluß des Bettes dient zumSchutz gegen die Kälte; denn obschon etwas Wärme aus dem darunter gelegenen Kuhstalldurch die Ritzen im Fußboden hinaufdringt, ist es in der Hütte in der Nacht recht kühl.Neben den Betten findet man stets einen Tisch und zwei Bänke. An der gegen-überliegenden Wand ist der offene Herd angebracht, auf dem gekocht und gekäst wird;daneben erblickt man einen Haufen von Kuhmistfladen auf dieser Höhe das landes-übliche Brennmaterial. An der Wand zwischen dem Herd und den Betten steht einKasten für Geschirr und für Molkereigeräte, von denen bereits im Kapitel über denHausrat die Rede war.
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