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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Während durch das Scheunentor hauptsächlich das Heu eingebracht wird, vermitteltdie Flurstiege, insbesondere im Winter, den alltäglichen Verkehr zwischen dem Keller-und dem Erdgeschoß. Ganz im Hintergrunde der Scheune wird das Stroh, beziehungs-weise das noch ungedroschene Getreide auf einigen Brettern untergebracht, die, etwasüber 2 m vom Boden erhöht, in die beiden einander gegenüberliegenden Wände eingefügtund durch Querbalken verdichtet sind. Unter diesem Stroh-, beziehungsweise Getreidelager( pailleta genannt) befindet sich die Dreschtenne. Der ganze übrige Scheunenraum wirdvon den großen Heuvorräten ausgefüllt, die durch das von den Gebirgsscheunen im Winterherunterbeförderte Heu noch bedeutend vermehrt werden.

In der Scheune pflegt man verschiedene Feldgeräte unterzubringen, außerdemfindet sich hier häufig eine zur Aufbewahrung von Saatkörnern bestimmte altertümliche,große und innen dreiteilige Truhe( grenail) vor.

Wohl in den meisten Häusern hängen vom Scheunendach Brotrechen( pentil) herab,zwischen deren Sprossen die für das ganze Jahr gebackenen Brotlaibe eingeklemmt undauf diese Weise aufbewahrt werden.

Die Entwicklungsstadien, welche die Scheune mit dem übrigen Teil desErdgeschosses im Laufe der letzten Jahrzehnte durchgemacht hat, kann man in Bessansheute noch an einzelnen Hausformen deutlich erkennen.( Vergl. Taf. III, Fig. 1, b, d, f.)In den ältesten, niederen Häusern nimmt die Scheune fast das ganze Erd-geschoß in Anspruch, denn mit Rücksicht auf die gewaltigen Heuvorräte mußte hierdurch die Breiteausdehnung an Raum das gewonnen werden, was an Höhe fehlte. WährendMenschen und Haustiere eng aneinandergedrängt im niederen Souterraingeschosse hausen,wird das gleich große, aber bedeutend höhere Erdgeschoß, ausschließlich von derScheune eingenommen. Im Laufe der Zeit konnten jedoch durch Erweiterungund Erhöhung der alten Häuser zwei kleine Sommerstuben in der Scheuneausgespart werden. Erst in den jüngst erbauten Häusern, wo bereits mehrere Zimmerim Erd- und in dem darübergelegenen Mansardengeschoß angebracht worden sind, ist dieScheune bedeutend verkleinert, dafür aber auch entsprechend erhöht worden.

Die Sommerstube.

Aus der Scheune gelangt man in die Sommerstube, zu der hieund da auch eine Stiege von der Küche aus direkt führt; in denneuen Häusern erreicht man aber die Stuben vom Gang aus, der dieErdgeschoßräumlichkeiten miteinander verbindet.

Die Einrichtung der Stube bietet nichts Charakteristisches.Wie der zuvor geschilderte Werdegang der Scheune läßt sich auchderjenige der Stube in einzelnen heute noch bestehenden Häusertypeneinigermaßen verfolgen.

In den ältesten Hausern, in denen die Stube fehlt, findet sich in der Scheune meistein kleiner Bretter verschlag für Kleidertruhen und Wirtschaftsgeräte.Dieser verschwindet jedoch, als in den bereits restaurierten Häusern eine bis zweikleine Sommerstuben aus Holz angebracht wurden, die sich konstruktiv vondem ursprünglichen Vorratsraum anfangs nur wenig unterschieden; die neu hinzu-gefügten Stuben gleichen noch immer einer Holzbude. die, ohne Zusammenhang mit demübrigen Bau, in die Scheune eingebaut wurde. Nur allmählich, mit der fortschreitendenModernisierung des Hauses begann man auch die Stuben in Steinbau aufzuführen; wieich glauben möchte, sind dieselben in den neueren Häusern erst in den letzten zwanzigJahren der Baueinheit architektonisch eingegliedert worden.

Obwohl in den jüngeren Häusern die Anzahl der Stuben- auch mit Rücksichtuuf eventuelle Sommergäste immer mehr zunimmt, bleibt die Stube für den Bessanerdoch ein Fremdkörper. Darin wird im Sommer nur geschlafen und tagsüber hältman sich in der Küche, in alten Häusern vielfach noch in der Stallwohnung auf.