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ähnlichen Erscheinungen in anderen Ländern zu urteilen, vor allemals eine Schutzmaßregel gegen Kälte betrachtet werden. Mitbestimmendfür diese kellerartige Anlage soll nach Aussagen der Einheimischenauch das Bedürfnis gewesen sein, die in Bessans über dem Keller-geschoß gelegene Scheune zu ebener Erde anzulegen, um die Heu-mengen leichter hinein befördern zu können.
Das partielle oder gänzliche Versenken der Häuser in die Erdeist übrigens eine weitverbreitete Erscheinung, deren Besprechung einKapitel für sich beanspruchen würde. Es seien hier daher nur einigeBeispiele angeführt.
In Queyros( Dauphinée) findet man Stallwohnungen, die ähnlich jenen vonBessans angelegt und zur Hälfte in den Erdboden versenkt sind. Professor Raoul Blanchard,der dieselben zuerst beschrieben hat, sagt darüber: Toutes les fois que la pente du sitede l'habitation le permet, le fond de l'écurie est à demi enfoncé dans le sol, dispositiondestinée à combattre le froid." 1)
Auch auf dem Balkan kommen Wohngruben vor: So lebt nach Creanga 2) vonfünf Millionen Bauern Rumäniens noch eine Viertelmillion in 54,722 halb oder ganz unter-irdischen Erdbauten. Bei diesen steht noch häufig der aus Ruten geflochtene Speichervon der Form eines umgekehrten Topfes oder Kruges wie bei den Hütten der Neger Glossar ::: zum Glossareintrag Neger imäquatorischen Afrika.
Das skandinavische Haus ist in einigen ganz nördlich gelegenen Gegendenfast gänzlich in den Erdboden vergraben, so daß die Räume bis zur Wandhöhe unterder Erde liegen. 3)
Ebenso versenken in der ganzen alt weltlichen Arktis die Fischer- und Küstenstämmeihre Winterhütten zum Schutz gegen das rauhe Klima tief in die Erde. 4)
Die Wohngruben, die Tacitus bereits für die Germanenbezeugt hat, reichen weit in die prähistorischen Zeiten zurück.
So waren zum Beispiel in Skandinavien selbst die besten Wolnst. tten der jüngerenSteinzeit nur einfache Hütten, seltener auf kleinen Erhöhungen des Bodens angelegt, alsin diesen versenkt. 5) Ein hohes Dach auf niederen Wänden kennzeichnete lange Zeitden nordischen Hausbau. Wie es scheint, ragte anfangs nur das Dach als konischerOberbau über die Erde hinaus, während der eigentliche Wohnraum unter dieser lag.Daraus wurde später die Winterwohnung der Germanen, wie denn noch heute Lappen Glossar ::: zum Glossareintrag Lappenund Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner, welche den Sommer unter Zelten verbringen, den Winter über in Erd-löchern hausen." 6)
In Westdeutschland kommen, besonders aus der La Tène- Periode,die sogenannten„ Mardellen vor. Es sind dies irichterförmige Gruben von 2 bis 4 mTiefe und bis zu 10 m Durchmesser mit einem Estrich aus Lelim und einem kleinen Herdin der Mitte des Raumes. 7)
2. Das Hausinnere.
a) Gesamtanlage. Haupttypen des Bessaner HausesDas Bessaner Haus setzt sich aus zwei Hauptgeschossen zu-
sammen:
1) Raoul Blanchard: Les habitations en Queyros. La Géographie, 1909, p. 30.
2) Zitiert von E. Fischer, Archiv für Anthropologie. 1909, neue Folge VII, S. 3.
3) R. Meringer: Das deutsche Haus und sein Hausrat. S. 16.
4) K. Weule: Kulturelemente der Menschheit. S. 84
5) M. Hoernes: Natur- und Urgeschichte des Menschen. Wien u. Leipzig 1909. S. 91.6) M. Hoernes, a. a. O. S. 53.
7) Ebenda.