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geschnitten, sondern durch Aufklatschen kleiner Mengen von Mist auf Felsen und Dächerfladenförmig gestaltet.¹)
Obwohl die Mehrzahl der Bessaner im Sommer in den obengelegenen Kammern schläft, konnte ich dennoch etwa 30 Familienzählen, die das ganze Jahr die Stallwohnung bewohnen. Die Tat-sache, daß dies meist von alten Leuten gilt, die ihre Gewohnheitennicht aufgeben wollen, spricht dafür, daß die Sommerstube eine bloẞsekundäre, relativ junge Bildung ist und daß früher aller Wahrschein-lichkeit nach die Stallwohnung der ständige Aufenthaltsort war.
Was schließlich die hygienische Seite dieses unmittelbarenZusammenwohnens von Mensch und Vieh betrifft, so scheint daskräftige und gesunde Aussehen der Bessaner den weitverbreitetenVolksglauben zu bestätigen, daß die Stalluft der Gesundheit zuträglichsei. Wie dem auch sei, die Tatsache steht fest, daß die Bessaner sichin diesen Wohnverhältnissen ganz wohl fühlen und deren Änderungauch gar nicht herbeisehnen. Dies ist aber kein Beweis für einentieferen Kulturstand des Volkes, sondern unter den gegebenen Ver-hältnissen nur eine» conditio sine qua non« für seine Existenz-möglichkeit; das kann man erst voll begreifen, wenn man Gelegenheitgehabt hat, sowohl die Rauheit eines Winters in Bessans als auchdie wohltätige Wirkung der konzentrierten Wärme einer Stallwohnungam eigenen Körper zu spüren.
Die Küche( la fogogne).
Während die Stallwohnung meist nach rückwärts verlegt ist,befindet sich die Küche stets vorn. Sie besitzt einen Flächenraumvon durchschnittlich 15 m² und wird nur von einem, nach Größe undEinteilung wenig modernisierten Fenster belichtet.
Die Einrichtung des Küchenraumes ist überall ungefähr diegleiche. Ihren wichtigsten Bestandteil bildet der große, gewöhnlichin die Ecke der freien Giebelwand gerückte Kamin.( Fig. 3.)
Der Kamin herd ist nur wenig über den Boden erhöht und seine Fläche beträgtetwa 120 x 70 cm, wovon gewöhnlich ein Viertel zur Aufhäufung des Heizmaterialsreserviert ist. Die Feuerstätte wird häufig an den Seiten und rückwärts mit einerniedrigen Ummauerung versehen.
1) Die Verwendung tierischer Exkremente als Brennmaterial ist auchin manchen anderen waldarmen europäischen und außereuropäischen Gegenden häufig.Hier seien nur einige Beispieie angeführt:
In der Schweiz( Averstal, Splügen, Prättigau, Urserental) wird Schafmist inWürfel geschnitten, auf Lauben getrocknet und gebrannt.( Nach eigener Beobachtung.)In Briançon( Frankreich) wird Kuhmist zum gleichen Zweck verwendet.( NachA. Dachler.)
Im Uralgebiet benützen die Kirgisen Schaf- und Kamelmist als Heizmaterial.Auch in Unter ägypten brennt man Mist, hauptsächlich Kamelmist, der, zuflachrunden Stücken geformt, an die Hausmauer zum Trocknen angeklebt und dann aufden Dächern aufgeschichtet wird.( R. Zeller, J. Brunhes.)
In Benares benützt man getrocknete Kuhfladen zu Heizzwecken, deren jederdas Handzeichen seiner Herstellerin, eine ausgebreitete Hand, auf der Oberfläche trägt.( H. Gehring.)
Bei den Grönlandeskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Grönlandeskimos besteht das Heizmaterial aus Torf und aus altem,getrocknetem Mövendung.( Fr. Nansen.)