Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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49 (1944) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Gelingt im ersten Beispiel dem Bräutigam der Eintritt ins Haus, ſobekommt er seine Braut aber nicht gleich zu sehen. Eine falsche Braut,meist eine alte Frau, wird ihm zugeführt. Und wieder hat er einigeRätsel zu lösen, ehe man ihm den Weg zur richtigen frei gibt. Auchnach der Trauung sehen wir das Rätsel wieder, das sich wie ein rotesBand durch das gesamte Treiben am Hochzeitstage zieht. Das Festmahlbeginnt sich dem Ende zuzuneigen; die Luft zum Tanzen bemächtigtsich aller Teilnehmer, und schon ist der Hochzeitslader, Hochzeitsbitter,Prokurator oder Druschma am Tisch, an dem die Braut mit derBrautmutter ſitzt, um die Braut zu einem Tanz mit dem jungen Ehe-mann zu bitten. Die Braut wäre dazu schon bereit, aber da mischtsich die Brautmutter( in ihrer Abwesenheit die Ehrenmutter) da-zwischen und verlangt von dem Vertreter des jungen Ehemannesallerlei Unmögliches, z. B. einen Eimer ohne Reif( d. i. ein Ei);Äpfel, die drei Jahre reifen( das find Wacholderbeeren), dann wiederein Faß, in dem ein roter und ein weißer Wein ist( wieder ein Ei).Das sind Rätselfragen, die zu einem Teil bereits in den Heidreks-rätseln begegnen und sich auch in dem vorhin beschriebenen Brauchder Klöckelnächte wiederfinden.

Ein solches Ausbitten der Braut kann manchmal bis zu einerStunde dauern und schließt ab, wenn der Prokurator eine Vitte derBrautmutter erfüllt hat, die wir schon im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der heiligenBrechelzeit vorfanden. Die Brautmutter will die Braut dem Hochzeits-bitter nur über eine silberne Brücke zuführen. Darauf iſt dieſer natür-lich vorbereitet und legt 30 bis 40 Stück bayrischer Taler über denTisch; die Braut schwingt sich auf den Tisch und schreitet dem Bitterentgegen, der mit ihr einen Ehrentanz macht. Aber erst nachdem dieBraut mit allen anderen männlichen Personen getanzt hat, darf sieder Bräutigam als die Seine betrachten. Mittlerweile ist die Mitter-nachtsstunde gekommen. Der feierliche Augenblick ist da, wo die Brautdie Brautkrone oder den Brautkranz, das Zeichen der Virginität, ab-legen soll, um es gegen die Haube, das Zeichen der Hausfrauenwürde,einzutauschen. Dieser Handlung schauen die Anwesenden mit Andachtzu. Aber auch die Auslieferung des Brautkranzes an den Bräutigammacht die Kranzeljungfer Glossar ::: zum Glossareintrag  Kranzeljungfer als Beauftragte der Braut von der Lösungvon Rätselfragen abhängig, die sich im Schlesischen beispielsweise engan die Kranzlieder des 15. und 16. Jahrhunderts anlehnen.

Wenn wir die eigenartigen Rätselbräuche bei bäuerlichen Hoch-zeiten deuten wollen, dürfen wir nicht in den Fehler verfallen, siehier lediglich als Mittel zur Unterhaltung und Beluftigung der Gäſte