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gen Händen die Bäume 35). In Mähren pflegen sie dabei zu sprechen:„ Bäumchen, bringe viele Früchte" ³).
Der Fruchtbarmachung der Bäume dient am Weihnachtsabendauch die Sitte, daß man ihnen Strohbänder umlegt. Nach Elard HugoMeyer 3) ist dieser Brauch bereits um 1400 von dem Böhmen Aßlobeschrieben worden. Aus dem Badischen( Vögisheim bei Müllheim)berichtet derselbe E. H. Meyer, daß eine das Strohſeil um den Baumlegende Frau die Worte sprach:„ Jez bring ich dir's Winechchindli,' sandr Johr bringsch du mir's." 38) Schöner läßt sich im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum dieWesensgleichheit von Baum und Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib wohl kaum ausdrücken. H. Nau-mann, der in seinen„ Prolegomena über vergleichende Volkskunde undReligionsgeschichte" 39) einen ähnlichen badischen Brauch zum Anlaßseiner Betrachtungen über die numinose Bedeutung der Schwanger-schaft nimmt, fügt abschließend hinzu:„ Zu preisen wäre jene Religion,die diese wunderbaren Partizipationsriten, diesen beſeligenden Ver-bundenheitsglauben, der einer köstlichen, erdhaft- bodenständigen Fröm-migkeit entspringt, sich zu eigen zu machen und auszugestalten ver-möchte" 40). Auch, daß man im Schwarzwald im 19. Jahrhundert einjunges Bäumchen durch eine schwangere Frau schütteln ließ 4), deutetauf jene Seinseinheit hin, die Naumann mit dem religionsgeschicht-lichen Partizipationsbegriff zu umschreiben versucht. So, wie die jungeFrau dem Wachstum eines Baumes förderlich sein kann, sind auch dieersten Früchte, die er tragen wird, der Gesundheit der hoffendenMutter heilsam 42).
Von einer geburtskräftigen Frau sagt man in Schlesien:„ Sie hatHolz vorm Hause" 43). Der Erhöhung der Fruchtbarkeit dient inBöhmen auch der Birkensaft über seine Verwendung als Schönheits-mittel hinaus 44). Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß das aus denBlättern des Sadebaumes( Juniperus sabina) gewonnene Öl derVermehrung des Kinderſegens dient 44).
Aus der Vorstellung von der Wesensgleichheit vonBaum und Frau kommt auch der Brauch, die Plazenta des neu-geborenen Kindes an die Wurzeln eines Baumes oder Strauches zu
35) Stonner, ebda., S. 77 f. n. L. v. Hörmann, Tiroler Volksleben,Stuttgart 1909, S. 225.
36) Mannhardt, Wald- u. Feldkulte. Nr. 9, i. Anschluß an V. Groh-mann, Abergl. a. Böhmen, S. 87.
37) Badisches Volksleben i. 19. Jahrhdt. Straßburg 1900, S. 384.
38) Ebda., S. 384.
39) Ersch. i. Jahrbuch f. histor. Volkskunde, I. Berlin 1925.
40) Naumann, ebda., S. 33.
41) E. H. Meyer, a. a. D., S. 386.
42) Kreuzberg, Fruchtbäume, S. 8. Zu alledem eine ethnographischeParallele als Beispiel: auch die Malaien des ostindischen Archipels pflegenblühende Bäume mie schwangere Frauen. Vgl. Niewenhuis, Internat.Arch. f. Ethnographie, XXX, S. 137; auch L. Mackensen, Baumseele,Zeitschr. f. Deutschkunde. 1924, Jg. 38, S. 5.
43) Drechsler, a. a. O., S. 80.44) Wurttke, a. a. O., S. 112.