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im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum des deutschen Volkes zu zeigen- bislang kaum erkanntund nur teilweise gelöſt wurde.
Es sind im Vorwege besonders die Untersuchungen Fred. A. vanScheltemas zu nennen, der, von der Volkskunstforschung kommend, denBaum dem weiblich- erdhaften Naturprinzip zugeordnet hat ¹), ohneaber eigentlich die brauchtümlichen Grundlagen umfassend zu berückfichtigen. Er sagt mit Recht, daß der Baum ursprünglich ein Symbolder Fruchtbarkeit, der sprießenden Erdenmutter", sei 2). Erst spätersei das männliche Naturprinzip mit dem Begriff des„ Wachstums-dämons" hineingedeutet worden. Scheltema meint damit wahrscheinlichdie mythologischen Deutungen Mannhardts, der in seinem Werk überdie Wald- und Feldkulte wohl eine Fülle von Unterlagen zu diesemThema bereitstellte, ihnen aber oft seine eigenwillige Ansicht unter-schob.
Von Dämonen, Wesen also, die mit religiöser Scheu geehrt werden, spricht Mannhardt auch da wo er für einzelne Bäume weiblicheAnredeformen aus dem nordischen Kulturkreis aufführt ³), z. B.„ FrauElhorn"( Apenrade 1703, auch Hannover) und„ Hyllefroa"( Schonen)für den Hollunder,„ Askafroa“( Schweden) für die Esche und„ Ellefru"( Dänemark) für die Erle.
Dies sind nicht die einzigen Zeugnisse, die sich für die weiblicheAnredeform des Baumes beibringen lassen. Um bei dem Hollunder zubleiben: als die„ Holdere" wird er verzeichnet in den SchweizerKantonen Aargau," Graubünden, Luzern, Schwyz, Thurgau, Unter-walden, Uri, Zürcher Oberland; in Davos heißt er die„ Holderne" 4).
In einem niederdeutschen Besegnungsspruch gegen das sogenanntekalte Fieber heißt es:„ Ellhörn(= Hollunder), du ole, if bring di datkole." 5) Ein mecklenburgischer Segen gegen" Sucht" spricht denHollunder so an:„ Gun dag, gräun Marie( grüne M.) usf.") Wennman im Westfälischen nur einen Zweig vom Hollunder abpflückt, tutman der Frau" schon weh 7). Ebenfalls in Westfalen heißt der Baum„ Hollerkenstruk", d. h. der Strauch der Holla Erka), wobei unterErfa Herke ein Teil der göttlichen Gewalt der Frau Holle zu ver-stehen ist. Damit darf auch der Zusammenhang des Hollunders mit der
1) Bgl. d. Übersichtstafel a. S. 143/44 des Werkes„ Die deutsche Volkskunstund ihre Beziehungen zur germanischen Vorzeit". Leipzig 1938.
2) F. A. von Scheltema, Symbolik der germanischen Völker. In: F.Herrmann, Handbuch der Symbolforschung, 2. Bd. Leipzig 1941,§ 23, S. 98 f.
3) Wilh. Mannhardt, Wald- und Feldkulte, Bd. I.( Der Baumkultusd. Germanen u. ihrer Nachbarstämme). Berlin 1875, S. 10/11.
4) Frdl. Hinweis Herrn Prof. Dr. Marzells auf d. Schweizer Idioti-fon 2. 1186.
Nach Plette, Heimatkunde d. Reg.- Bez. Stade 1, 1909.
S. d. ganzen Wortlaut b. A. Miller,„ Herr Holler", ein altheiligerStrauch. In Heimat u. Volkstum". Amtl. Nachr.- Blatt d. Wb.- Kommiſſion_d.Bayer. Akad. d. Wiss. i. München, 17. Jg. 1939. 4. 8. 5. 126.
7) Nach Mittlg. d. Lehrers Barner- Mennighueffen abgedr. b.Frz. Söhns, Unsere Pflanzen.( Ihre Namenserfl. u. ihre Stellung i. d.Mythologie u. i. Volksabergl.)( 3. A.) Leipzig u. Berlin 1912 ,, S. 62.
8) Söhns, a. a. O. S. 65,