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Ist die Stimmung schon fortgeschrittener, so folgen oft Scherztänze,wie z. B. der„ Kapuzinertan z" ¹): dazu betreten einige Burschenmit künstlichen langen Bärten und als Kapuziner verkleidet die Stube.Einer hält ein Buch in der Hand und murmelt, angeftrengt und ernſtins Buch blickend unverständliche„ Gebete"; ein anderer trägt eineSchüssel mit Wasser und besprißt reichlich die Anwesenden, währenddie übrigen Kapuziner ein ſtrenges und weltabgewandtes Gehaben zurSchau tragen. Allmählich aber kann der eine oder andere den anwesen-den Mädchen nicht ganz widerstehen; erst wirft er verſtohlene Blickeauf diese, verliert dann aber immer mehr seine anfängliche Haltung,bis er schließlich ein Mädchen im Arme hält und mit ihm zu tanzenbeginnt. Da aber springt plötzlich der Teufel in die Stube, rastschreckenerregend im Kreise umher, packt eines der tanzenden Mädchenund schleppt es zur Türe hinaus. Den Kapuzinern ist die Lust amTanze vergangen, sie ergreifen die Flucht das vom Teufel geholteMädchen aber kommt mit rußgeschwärztem Gesicht wieder herein.
Auch der„ Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau tanz" 2) ist sehr beliebt. Es ist dies der„ Halbwalzer" oder„ Innviertler" ³) ein Tanz, bei dem 16taktigesWalzen mit 16taktigem, paarweisem Gehen im Kreise abwechseltder in diesem Falle nur von Mädchen getanzt wird. Seine Entstehungverdankt der Jungfrautanz Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrautanz folgendem Umſtand: bei großen Tanz-unterhaltungen im Freien oder im Wirtshause ist es oft Sitte, daßjeder Bursch für sich und seine Tänzerin die Musikanten für dienächsten zwei bis drei Tänze entlohnt, ehe zum Tanze angetreten wird;zur„ Entlastung“ derBurschen wurde ein nur von Mädchen getanzterHalbwalzer eingeschoben, der dann den Namen„ Jungfrautanz Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrautanz“ erhieltund bei dem die Entlohnung der Spielleute den Mädchen zufällt.Ungefähr in der Mitte des Tanzes aber greifen dann die Burschenein, jeder holt sich eine der Tänzerinnen und tanzt mit ihr weiter:bleibt ein Mädel übrig, so wird es ausgelacht.
Nach oder auch zwischen den Tänzen pflegt man einige Spiele zuspielen; schon K. Adrian ¹) und nach ihm Franz Kopp³) haben eine
1) Vgl. A. Hartmann und H. Abele, Volksschauspiele, Leipzig 1880,G. 173 f. H. von Preen, Drischlegspiele aus dem oberen Innviertel, 3. d.V. f. Volkskunde, Berlin XIV, 1904, S. 361 ff. Nr. 39; K. Adrian, Von Salz-burger Sitt und Brauch, Wien 1924, S. 255 und E. Meyer, Alte Volkstänzeaus unserer Rhön, Rhönwacht, Fulda, Jg. 1933, S. 32.
2) Vgl. F. Prodinger, S. 128.
3) Vgl. den Trio- Walzer aus dem Innviertel in 9. 3oders Altösterr.Boltstänzen, 4., Wien 1934, Nr. 11.
) K. Adrian, S. 236 ff.
F. Kopp, Alpenländische Bauernspiele. D. Verlag f. Jugend u. Volk,Wien, 1925.