abendländischer Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischer Münzkunst
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in ihrer Motivwahl vorwiegend
an die Hochkunst der Zeit anlehnte und Herrscher- und Heiligen-figuren, Wappentiere und stilisierte Bauwerke wiedergab, findenwir in Österreich auf den Münzen jener Zeit in ausgedehntemMaße volkskundlich- volkskünstlerische Motive, wie sie sonst anBauernhäusern, Volkstrachten, Möbeln und Handwerksgerätenauftreten, oder zumindest Mischgebilde, die, der Hochkunst ent-nommen, doch deutlich Einflüsse der Volkskunst erkennen lassen.Freilich ist auch sonst die bildende Kunst des Mittelalters viel-fältig mit der Volkskunst verflochten, ja in der Romanik läßtsich eine Trennung überhaupt kaum durchführen, denn von denGestalten an ihren Kapitellen, Gesimsen usw. ist vieles im Inhaltunmittelbar der Volkssage und dem Volksmythos entnommenund in durchaus bäuerlich- primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver Form gestaltet. Aber auchin der Gotik, zumal in der Spätgotik, sehen wir wieder auf brei-ter Front das Eindringen von Motiven der Volkskunst und desVolksglaubens in die Hochkunst, vor allem in Schlußsteinen,Ornamenten, Chorgestühlen, Maßwerkfenstern.
Der Bildinhalt west- und mitteldeutscher hochmittelalter-licher Pfennigmünzen in seiner Beziehung zur zeitgenössischenHochkunst ist vor längerer Zeit schon von Bürkel( 1902, 1903)untersucht worden; die Beziehungen zur Volkskunst, wenn-gleich augenfällig, sind aber bis heute noch unbeachtet geblieben.Das liegt wohl daran, daß für den Volkskundler diedazu ziemlich unscheinbaren südostdeutschen mittelalterlichenPfennige nicht in seinem Blickkreis liegen, der Numismatikeranderseits kaum je mit volkskundlicher Vorbildung und Frage-stellung an sein Arbeitsmaterial herangeht.
noch
Ehe nun die Wiener und verwandten mittelalterlichen Pfen-niggepräge im einzelnen auf ihren volkskundlichen Inhalt hinanalysiert werden sollen, sei kurz noch der Ausklang der unsinteressierenden Münzperiode geschildert. Für den im Spätmit-telalter immer mehr anwachsenden Handel wurde der jährlicheMünzverruf allmählich zu einer drückenden Belastung und Be-hinderung. Rudolf IV. verzichtete daher im Jahre 1359 auf denMünzverruf und hob von da ab an seiner Stelle ein„ Ungeld“ inder Höhe von einem Zehntel aller Getränkepreise ein. Bei derTrinkfreudigkeit des Mittelalters brachte diese recht modern an-mutende Getränkesteuer annähernd den gleichen Ertrag wiezuvor die Bargeldbesteuerung. Ab 1359 wurden also„ ewigePfennige geprägt, deren Bild im allgemeinen sehr eintönig warein Bindenschildchen mit den Initialen des jeweiligen Münz-herrn und volkskundlich ohne weiteres Interesse.
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