Nähe zu einer mythologischen Betrachtungsweise wird hier deutlich erkennbar,wovon in allen anderen Beiträgen eigentlich nichts zu merken ist. Mehr eineZusammenfassung des seit Karl Beth erarbeiteten Gedankengutes stellt dann derBeitrag ,, Magie" von Arnold Gehlen dar. Die älteren Strömungen erscheinendeutlich im Abklingen, besonders bei den skandinavischen Beiträgern. ErlandEhnmark läßt dies in seinem Beitrag ,, Religion und Magie. Frazer, Söderblomund Hägerström“ deutlich erkennen. Auch Olof Pettersson findet sich 1957mit ,, Magie- Religion" auf dem gleichen Weg.
Eine bemerkenswerte Möglichkeit der objektiven Weitersuche erscheint mitdem Beitrag ,, Der Begriff der Magie" von Murray und Rosalia Wax 1963 gege-ben, dem die Diskussionsbeiträge von Michael Ames, Robert G.Armstrong, William J. Goode, Eduard Norbeck, Ivar Paulsonund Ruth Hill Useem angefügt sind. Diese teils amerikanischen, teils skandi-navischen Diskussionsbeiträge zeigen wohl den gegenwärtigen Stand der Magie-Forschung am deutlichsten. Nützlicherweise ist hier auch ein ausführlichesLiteraturverzeichnis beigegeben.
Die beiden letzten Beiträge stammen aus unserer Volkskunde. Selbstver-ständlich ist der einstmals 1968 in unserer Zeitschrift veröffentlichte Beitrag vonRudolf Kriss„ Zum Problem der religiösen Magie und ihrer Rolle im volkstüm-lichen Opferbrauchtum Glossary ::: show glossary-entry Opferbrauchtum und Sakramentalien- Wesen" aufgenommen, der gewisser-maßen die religiöse Volkskunde am Ende der positivistischen Epoche verkörpert.Als Gegenbeispiel dazu hat der Herausgeber einen bisher unveröffentlichten, 1972abgehaltenen Vortrag von Wolfgang Brückner„ Überlegungen zur Magie-theorie. Vom Zauber mit Bildern“ aufgenommen. Von ,, Magietheorie“ ist darin fastkaum die Rede, Brückner versucht zu zeigen, wie die Zauberei ,, mit Bildern❝innerhalb der jeweiligen Welt der in ihren Nöten zur Magie greifenden Menschenzu verstehen ist. Sie verwenden nicht selten„ Bilder", also beispielsweiseZauberpüppchen, Atzmänner dazu, und stechen sie mit Nadeln. Das ist alt undweit verbreitet, dient hier Brückner aber im wesentlichen als Grundlage seinerAusführungen, daß man zu solchen Handlungen nicht„ Bildzauber“ sagen solle,sondern lieber„ Zauber mit Bildern“. Er meint, es handle sich bei diesem Sprach-gebrauch um eine wissenschaftliche Begriffsbildung, der„, nämlich eine bisweilenpseudoschöpferische Kraft“ innewohne. Ja freilich, das hätte er halt vorzweihundert Jahren den Männern sagen sollen, die„, chansons populaires" mit, Volkslied“ übersetzten. Jetzt ist es zu spät, die so ungemein praktischenKomposita von„ Autobahn" bis„, Schlachtschiff“ lassen sich doch nicht mehr rück-gängig machen. Brückner meint im weiteren, die Wortbildung trage dazu bei, daßman öfter meine, die Zaubermännlein müßten die Ebenbilder der jeweilsgemeinten Personen sein. Nun, es gibt genug Beispiele dafür, daß sie wirklichgemeint waren und sind. Mag sein, daß das„, envoutement“ manchmal nur ganzallgemein gemeint war, etwa so wie Brückner sagt:„ Es waren keine Abbilder derzu Bezaubernden, sondern vielmehr jene belebten Zaubermännlein, nämlichkoboldartige Dämonenhelfer." Wenn ich mir aber meine Kollektion von zeit-genössischen Karikaturen anschaue, dann finde ich nie solche Dämonenhelfer, diemit Nadeln geplagt werden, sondern die knapp aber deutlich gekennzeichnetenBilder von Bürovorstehern, Schwiegermüttern, Politikern usw. Man soll solche
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