Holzbaukunst in Österreich, Bd. 2, Salzburg 1978, Umschlag, S. 185-187)abgeben, sondern lebendiges Kulturerbe sein. Den Initiatoren des ungemeinlöblichen Unternehmens ist für die Zukunft viel Erfolg zu wünschen!
Helmut Sperber, München
Ilka Peter, Der Salzburger Fackeltanz. Zur Geschichte eines Tanzes.Salzburg, Verlag der Salzburger Druckerei, 1979. 64 Seiten mit Abb. undZeichnungen.$ 198,-.
Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele wird seit 1952 auf dem Residenzplatzder Fackeltanz aufgeführt, den Gästen als Gruß und Ehrung. Damit wird einBrauch aufgegriffen und weitergeführt, dessen Wurzeln und Entwicklung dieVerfasserin darlegt. Bei den Naturvölkern Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölkern ist die Fackel Symbol für die geheim-nisvollen Kräfte des Feuers, das das Dunkel und alle Übel vertreibt. Die Schutz-wirkung überträgt sich auf den Menschen, der in seinem Scheine wandelt. Darumwurde schon bei den alten Griechen die Braut unter Vorantritt einer Fackeltanzend dem Bräutigam zugeführt. Der Hochzeitstanz mit der Fackel oder einemanderen Licht läßt sich durch die Jahrhunderte hindurch und in allen Gesell-schaftsschichten bis in unsere Zeit belegen. Er gehörte zum Hochzeitszeremoniellder Hohenzollern ebenso wie zum bäuerlichen Hochzeitsbrauch, etwa beimWiderlaibtanzen in der Oststeiermark, wo ein Mädchen, einen mit brennendenKerzen geschmückten Gugelhupf auf dem Kopf, vor dem Brautpaar tanzt, oderbeim Lichtertanz der Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen, den der Rezensent bei einer Hochzeit in einemdeutschen Sprachinseldorf in der Umgebung von Kremnitz miterleben durfte. Dortumtanzten Mädchen mit brennenden Kerzen die in der Mitte der Stube auf einerMohnstampfe sitzende Braut, während ihr der Brautkranz abgenommen und dieFrauenhaube aufgesetzt wurde.
Aus der schützenden Funktion der Fackel entwickelte sich eine ehrende.Unter ihrem Schein tanzte die zu ehrende Persönlichkeit. Die Tanzform war meistein feierliches Schreiten, was sicher durch die aufwendige Kleidung bedingt war.Mit dem Aufblühen der Zünfte kamen als Repräsentationsform Handwerksreigenund Fackeltänze auf, daneben entwickelten sich auch Laternentänze, die eigentlichReiftänze waren, bei denen der Tänzer eine Laterne auf dem Kopfe trug, und dieim Grunde auch den Lichtertänzen zuzurechnen sind.
Die Salzburger Erzbischöfe führten als regierende Landesfürsten eine ihrerStellung entsprechende Hofhaltung. So fanden große Prozessionen, prächtigeTurniere und aufwendige Empfänge hoher Fürstlichkeiten statt, in deren Verlauftänzerische Fackelaufzüge dargeboten wurden. Eine Salzburger Musikhandschriftmit choreografischen Anmerkungen zu einem Fackeltanz ist erst vor wenigenJahren verlorengegangen.
Als der Salzburger Kuno Braundauer die Wiederaufnahme des Fackeltanz-brauches anregte, entstand unter der Regie von Edwin Vogel, Leiter der Brauch-tumsgruppe Glossar ::: zum Glossareintrag tumsgruppe Jung- Alpenland, aus überlieferten Reif- und Knappentanzformen undneuen Einfällen ein großangelegter Fackeltanz. Die Musik hatte Prof. Leo Ertl
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