Bevölkerung ist die lange vorösterliche Fastenzeit, die noch immervon markantem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum gekennzeichnet ist. Das Fasten bestehtaus der Abstinenz, die den Genuß von Fleischbrühe und Fleischverbietet, nicht aber Eier, Milchprodukte, Fisch, Krebse undMuscheln. Durch das Fasten bringt man Gott den„ Zehnten" desJahres dar, indem man das durch Fasten Ersparte den Armen alsAlmosen zukommen läßt. 18) Es werden deshalb besonders an denFastentagen Heischezüge veranstaltet, bei denen Würste, Eier,Speck und Fettgebäck erbeten werden. Heischegänge findet mannach Siuts19) entsprechend vor den Hauptfesttagen des Jahres, wieWeihnachten, Ostern, Pfingsten, Silvester, zur Fastnacht undLichtmeẞ( 2. Februar), Gregori, Peterstag( 22. Februar), Invoca-vit, Lätare, am 1. Mai, Johannistag( 24. Juni), Martinstag, Niko-laustag, zu Lambertus und Michaelis. Vom Fasten sind dispensiertKinder, Kranke, Schwangere, Wanderer und Reisende, Schwerar-beiter, Gast- und Speisewirte und alle, die in Gast- und Kosthäu-sern regelmäßig ihre Kost beziehen. 20)
Auf den beschriebenen Darstellungen vom Kampf des Karnevalsgegen die Fasten erscheinen jeweils auf der linken Seite die Hei-schenden mit ihrer Beute, Schinken, Kalbskopf, Eier, Geflügel,Hasen, Würsten und Pasteten. Ihnen stehen auf der rechten Seitedie Fastenden gegenüber mit Fischen, Muscheln, Brezeln, Fladenund Klößen, ihren Fastenspeisen. Entsprechend sind auch auf derlinken Seite des Fastnachtsbildes von Pieter Bruegel d. Ä. unterden Heischenden Personen zu finden, die vom Fastengebot dispen-siert sind, Kinder, Kranke, Krüppel Glossar ::: zum Glossareintrag Krüppel und Leprose, Reisende, Pilgerund fahrende Leute. Sie stehen den fastenden seßhaften Bürgernauf der rechten Seite des Bildes gegenüber, die u. a. aus der Kirchekommen.
Von Karnevalsgesellschaften und Narrenorden wurden beson-ders zur vorösterlichen Fastenzeit Spiele aufgeführt. Von der Gildeder Blauen Schute" wird in dem Gedicht von Jacob van Oestvorenein Statut von 1413 erwähnt, nach dem ein Turnier am Vastelavontin Oostpolder abgehalten wurde, und die Brabanter gegen die vonHoedekenskerke angetreten waren. Enklaar²¹) nimmt an, daß die-ses Turnier auf einem Polder bei Krabbendijke im äußersten Ostenvon Süd- Beveland gehalten worden sei. Es handelt sich um einländliches Reiterspiel, einem Ritterstechen ähnlich, das, wenn esam Fastenabend veranstaltet wurde, ein Anziehungspunkt für dieBevölkerung der Umgebung gewesen sein wird, die daran Spaß undVergnügen gehabt hat. Wenn auf dem Bruegel- Bild und den graphi-
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