Weihnachtliche Umzugsspiele sind in Südosteuropa vor den tief einschneidendenBeschränkungen unserer Jahrzehnte dichter als in Mittel- und Westeuropa gestreutund nach Texten und Liedweisen überliefert als die rumänischen colinda, die slawischenkolede, die neugriechischen kálanta usw. Früh und überall konnten sie aus der keimhaftdramatischen Evangelienszene( Luk. 2,8) der Hirten auf dem Felde vor Bethlehem( ,, Hirtenschlaf") entstehen, sich zu Kurzformen für den Heischeumzug der( maskier-ten) Hirten, zusätzlich Dreikönige bilden, die möglichst oft an einem„ Umzug“ auf-geführt werden sollten. Sie konnten sich aber auch, stark beeinflußt von den spani-schen ,, Hirten- Eklogen“ des 15. Jh., etwa im Gefolge eines Juan del Encina( 1469-1534), zu jenen breiten„ Hirtenschlaf"-Szenen ausweiten, die Grundlage fürdie bei den Jesuiten ab dem mittleren 16. Jh. üblichen, auch in Wien, Krems, Lai-bach, Klagenfurt, Graz beliebten dialogi als Kleinspiele innerhalb des Gotteshauses( z. B. Laibach 1599 in lateinischen, deutschen und„ slawischen" Liedern und Ver-sen!) entwickeln. Einst hatte diesen Barockisierungsweg Leopold Schmidt( ,, Frühealpenländische Hirtenspiele", in: Komödie I, Wien 1946, 189-192) erkannt undL. Kretzenbacher konnte Archivalien, Kleinvermerke und ganze Texte dazu ausInnerösterreich vorlegen(„ Frühbarockes Weihnachtsspiel in Kärnten und Steier-mark. Klagenfurter und Grazer Weihnachtsspiele des frühen 17. Jh. als kulturhisto-rische Denkmäler der Gegenreformation in Innerösterreich“. Klagenfurt 1952).Ehemalige Jesuitenschüler, nachmalige Pfarrer, mochten solchen Spielbrauch inihre Landpfarren übertragen haben, ausgeformt in den Südostalpen zu vielfältigerErscheinungsform der Umzugsspieltexte mit Liedern in Masken wie heute bei denKärntner Sternsingern( vgl. Oskar Moser,„ Die Kärntner Sternsingerbräuche“, Kla-genfurt 1956; hier ein Nachweis für Slowenisches in Unterkärnten 1641). So gebenWeihnachtslieder, die nicht immer als Reststücke verlorener Spiele angesehen wer-den dürfen, Nachklänge des zunächst nonnenklösterlichen, nachmals bürgerlichen„ Kindelwiegens"( agitatio cunarum) und krainerische wie untersteirische und pan-nonische Texte und Darstellungsweisen( auch aus Neuaufnahmen solcher Überliefe-rungen in slowenischen Dörfern an der unteren Raab, im Porabje) nebeneinanderher. Lediglich auf Kärnten beschränkt erweisen sich die größeren( Stuben-) Spiele,übersetzt aus dem Deutschen in der gleichen Volksschauspiellandschaft Inneröster-reich( vgl. ÖZV II/ 51, 1948, 148-194) wie eigenständig auf slowenisch nachgeformt.So beim Kärntner Andreas Šuster vulgo Drabosenig( Drabosnjak)( 1768-1825) mitgerade dessen Beständigkeit im Beibehalten und Neu- ,, Dichten" slowenischenVolksschauspiels( Verlorener Sohn, Köstenberger Passion) in einer Zeit, da derWind der Spätaufklärung dem Spielbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Spielbrauchtum bei Deutschen und Slowenen heftigund eisig entgegenschlug. Die Fülle der slowenischen Traditionen zu solchem nieund nirgends ethnisch genau abgrenzbaren Spielbrauch ist groß, der Beitrag derVolksschauspielforschung, die bei uns in Österreich seit Karl Weinhold( 1823-1901)ungebrochen blüht, hier geleistet für die kulturelle Überlieferung eines abendland-weit Glossar ::: zum Glossareintrag weit gültigen Themas aus dem Erbe unserer slowenischen Mitbewohner und Nach-barn ist bedeutender Wissenschaftsgewinn.Leopold Kretzenbacher
Hans Schuhladen( Red.), So ein Theater?! Zum gegenwärtigen Spiel von Ama-teurbühnen in München. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Institutsfür deutsche und vergleichende Volkskunde, in Zusammenarbeit mit dem Kultur-referat der Landeshauptstadt München, Abteilung Volkskunstpflege(= Beiträgezur Volkstumsforschung, BD. XVI). München, Institut für Volkskunde, 1986,136 Seiten, Abb.
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