hat der Ort diese Einwohnerzahl nicht wieder erreicht. Die Neu-zuwanderer kamen zu einem beträchtlichen Teil aus anderenSalzburger Gegenden und sichtlich nicht in größeren geschlosse-nen Gruppen. Man kann also damit rechnen, daß sich ein Grund-bestand an Überlieferungen erhielt. Einzelne Verdünnungen mö-gen aber doch auf die große Umschichtung zurückzuführen sein,z. B. die in Wagrain im Vergleich zum übrigen Umland verhält-nismäßig schwachen Perchtenüberlieferungen.
Im Zuge meiner Salzburger Brauchtumsaufnahme Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsaufnahme, welche ichmit Fragebogen und direkter Aufzeichnung zwischen 1945 und1954 durchführte, arbeitete ich 1945, 1946 und 1948 auch inWagrain, und zwar wochenlang, weil das Gebiet so ergiebig war.Meine Aufzeichnungen allein aus dieser Gegend umfassen rund200 Schreibmaschinenseiten.
Damals war Wagrain noch ein Ort mit verhältnismäßig weniggestörter Überlieferung. Wo man antippte, flossen die Quellenreichlich. Heute hat sich die Stille in einen hektischen Winter-sportbetrieb verwandelt, Skilifte umgeben den Ort, auf derHochfläche des Kirchbodens reiht sich eine Frühstückspensionund ein Hotel an das andere. Vor 36 Jahren standen da außer derKirche, dem Pfarrhaus und Schulhaus nur das Waggerl- Haus,vier Bauernhäuser und einige Kleinhäusler. Trotzdem leben beider älteren Generation die alten Geschichten noch und werdenauch immer wieder neu erlebt. Davon konnte ich mich soebenüberzeugen. Als Proben wähle ich etliche unheimliche Geschich-ten aus, die mir in den vierziger Jahren erzählt wurden, und fügeeinige Aufzeichnungen aus dem Februar 1981 hinzu als bemer-kenswerte Beispiele. Die Erzählungen gehören naturgemäß ge-wissen Typen an, enthalten aber fast durchwegs ungewöhnlicheMotive.
' s wild Gjoad
Von diesem sonst so reich vertretenen Sagentypus war imHauptort Wagrain nur mehr wenig zu erfahren. Lebendig warnur mehr der Ausdruck selbst. Wenn es recht wild zuging, z. B.in einem Gasthaus, sagte man„ a då schreit dås wild Gjoad".Oder wenn es bei einem Bauern Streit gab:„ Die håbn' s gånzeJahr' s wild Gjoad im Haus."
Anders wird es schon, kommt man in die Umgebung des Or-tes. Der Lechnbauer Andre Loitfellner, einer meiner wichtigen
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