Unheimliche Geschichten
aus der Wagrainer Gegend
Von Richard Wolfram
Die nachfolgenden Aufzeichnungen stammen aus einer Ge-gend, die bisher volkskundlich noch wenig dokumentiert ist.Wagrain liegt am Eingang eines südwärts in die Tauern streichen-den Tales, gerade da, wo es senkrecht auf eine wichtige West- Ost-Verbindung auftrifft. Der in die Tauern führende Ast heißt Klein-arltal. Wie schon der Name sagt, kürzer als das parallel verlaufen-de Großarltal. Im Gegensatz zu diesem, das seinen HauptortGroßarl in der Talmitte hat, bleibt Mitterkleinarl eher unbedeu-tend, die größere Siedlung ist Wagrain am Beginn des Tales.
Umgeben ist Wagrain von mittleren Bergzügen, welche dieGipfel des entfernteren Hochgebirges verdecken. Seine Bedeu-tung erwuchs aus der Verkehrslage. Zwar hatte die Gegend einenin Ausläufern bis ins 19. Jahrhundert reichenden Bergbau. Wich-tig ist aber vor allem, daß die alte Verkehrsverbindung zwischenSalzach und Enns über Wagrain läuft, damit auch ein Haupt-strang des tauernüberquerenden Nord- Süd- Verkehrs. Erst mitdem Eisenbahnbau durch das Fritztal verebbte hier der Stromdes Güterverkehrs. Vorher sollen hier täglich 150-180 Schwer-fuhrwerke durchgezogen sein und die Raststätten blühten. Säu-merzüge mit Lasttieren gingen aber auch durch das Kleinarltal di-rekt südwärts gegen Venedig und Triest zu. Umgeben war dieserKnotenpunkt aber auf weit hinauf gerodeten Hängen von Bau-ernhöfen, zum Teil sogar ziemlich großen mit zahlreichen Dienst-boten. Hier konnte sich eine reiche Kultur entwickeln.
Diese erlitt einen schweren Schlag durch die Protestantenver-treibung. 1732 zählte Wagrain 2250 Einwohner, von denen abernur ein Viertel zurückblieb. Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts
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