Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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1998. Heft 1

Literatur der Volkskunde

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derselbe: ,, Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf. Brauchformen derGegenwart in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen, Graz- WienKöln 1993, S. 72 ff., besonders S. 75.

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Die slowenischen Daten über das Frautragen berichten auch vomReitesel der Statue der Maria gravida, geführt von St. Joseph. Im Gebiet derslowenischen Dörfer in der Venezia Giulia( Beneška Slovenija) wird eineKrippe( slowen. prežepija nach lat.- italien. Praesaepe/ presepe) mitgetragenund dazu von einer Neuntage- Andacht( slowen, devetanevnica) berichtet.Frauen und Mädchen fassen vor dem 16. Dezember den Entschluß zu diesemUmgang und stellen eine neunteilige Liste jener Frauen auf, die in festerReihung besucht werden, weil ,, Maria sich dort melden will". Mit brennen-den Kerzen finden sich die Brauchtumsträgerinnen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsträgerinnen an den neun Abendenvor dem 24. Dezember zur Andacht ein. Das Marienbild verbleibt imjeweiligen Haus bis zum nächsten Sing- und Betabend- bis es am 9. Abendzu seinem Eigentümer zurückkehrt. Oft geht diesem Abendbesuch einkleines Spiel im Stil des Herbergsuchens" durch die ,, Anklopfenden"voraus. Die- voneinander nur wenig abweichenden- Texte hatte bereitsJanez Volčič( 1826-1887) als Geistlicher in seinem Leben der seligenJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau und Gottesmutter Maria und ihres reinen Gemahls, des hl. Joseph"( Živlenje preblažena Device in Matere Marija in njenegs prečista ženinaJosefa) im zweiten der zehn Hefte dieses Werkes( 1884-1891) zu Klagenfurt1885 veröffentlicht. Ihm war es ja vor allem um die Gebetstexte gegangen.Das mitgetragene Marienbild wird mit Blumenschmuck und brennendenKerzen auf einem eigens dafür bereiteten Altärchen( kapelica) in der Stubeaufbewahrt. Dies bis zum nächsten Abend. Hausleute und Nachbarn betenvor ihm. Das ganze brauchtümliche Geschehen mit Gebeten und Liedernvollzieht sich ohne Mitwirkung eines Priesters.

Die Geschichte dieses besonderen Umzugsbrauchs leitet sich aus demLukas- Evangelium( 2, 1-7) und aus mancherlei sie früh umrankendenApokryphen her. Sie bleibt mit dem, Herbergsuchen und den auch in derOrthodoxie frühen Ikonen der Christgeburt ebenso wie im lateinischenWesten eng verbunden. Für die Slowenen ist anscheinend ein romanischerEinfluß wesentlich, wie er etwa in der großen Piemont- Passion des 15.Jahrhunderts, doch auch aus deutschen Texten wirksam geworden seindürfte. Hier schließt auch Niko Kuret an( S. 11–17).

Die Neuntage- Andacht aber ist in ihrem Ursprung schwer zu fassen. Sietritt erstmals im 16. Jahrhundert in Mexiko als eine Sonderform des Her-bergsuchens" in Texten( las posadas) in Erscheinung. Von dort kam sie,angebahnt durch die Franziskaner- Mission in, Neu- Spanien, im 16. Jahr-hundert, formal zwischen liturgischer Besonderheit und anscheinend gernaufgenommenem ,, Volksbrauch", auch zurück ins Mutterland jener Franzis-kaner nach Spanien. Hier schiebt Niko Kuret auch solch einen( mit Sing-