Jahrgang 
78 (1975) / N.S. 29
Seite
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,, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum" ohne Kirche und ohne Standesamt als geschlossen angeseheneEhe. Das wirkt sich gegenwärtig auch weiter aus im bewußten Reduzieren derHochzeits- ,, Bräuche", der Anzahl der zu ladenden Gäste( svatovi), deren Bewir-tung, deren traditionellen Geschenke( davori) wie deren Wert" und Auswahl.Dies bis hin zum völligen Verzicht im Dorfbereich als jener sozialen Einheit, diedie wirtschaftlichen Möglichkeiten ihrer Mitglieder ebenso durchschaut wiederen Intimsphäre. Auch ohne Riten vollzieht sich heute die Statusänderungdurch die nunmehr vollrechtlich gebrauchten Bezeichnungen als Braut, Schwie-gertochter, Frau( mlada, snaha, žena) wie beim Manne als djuvegija, mlado-ženja, muž.

Damit aber unterliegt auch der Begriff des Konkubinates" sehr verschie-denartigen Beurteilungen in jenen südslawischen ländlichen Gemeinschaften vonheute. Das muß sich verständlicherweise in Erbrecht und Altersvorsorge, imRecht auf das Führen des Vaternamens von den, unehelich" Geborenen, nochdazu in einer ehedem so sehr patriarchalen Gesellschaft nach dem Umbruchzum Sozialismus auswirken. Der Zusammenstoß zweier rechtlicher Systeme,jenes des geschriebenen, dieses des brauchtümlichen Rechtes, wird hier geradeaus der Feldforschung in unserer Zeit besonders deutlich. Das setzt sich inder Beobachtung des Umbruches der ländlich- bäuerlichen Denkweise auch inder Frage der Scheidung" beider Formen der Ehe" fort wie in der( nichtnur generationsbedingt verschiedenen) Einstellung zur Kindeserwartung ausProbe oder aus, Gesetz"-Ehe. Eheliche Fruchtbarkeit bleibt weiterhin keinsicheres Unterpfand für den Bestand der Ehe" beider Arten.

Die Gegenwartsaufnahmen vielschichtiger Bräuche und Meinungen aufethnisch begrenztem Territorium( mit deutlichen Zeitbezügen weit darüber hin-aus!) zeigen so recht die Fragwürdigkeit jener allzu eindimensional gebrauchtenBegriffstermini älterer Forschung. Nur schade, daß solche Vielfalt mühsamerarbeiteter Erkenntnisse nur allzu knapp in einer Weltsprache zusammengefaßt( S. 112-114) erscheinen.Leopold Kretzenbacher

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Introduzione di

Achille Bertarelli, Le stampe popolari italianeClelia Alberici. Biblioteca Universale Rizzoli I grandi libri illustrati.Milano( 1974), 30 × 23 cm, 87 Seiten, 62 Abbildungen.

Dem urlaubshungrigen Italienfahrer dieses Jahres mag selbst in den billigenshops für das Touristenvolk an den Küsten diese hübsche und sehr wohlfeileGroßbroschüre mit dem liebreizenden Profil einer Mohrenfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohrenfrau kaum entgangensein. Wir möchten hier kurz auf dieses Heft hinweisen, denn es verbirgt sichdahinter nicht mehr und nicht weniger als eine bearbeitete italienische Neu-ausgabe des großen Achille Bertarelli, L'imagerie populaire italienne,Paris, Ed. Duchartre et Van Buggenhoudt 1929, aus der klassischen Reihevon Pierre Louis Duchartre und René Saulnier. Sie ist Clelia Alberici, derjetzigen Leiterin des berühmten Bertarelli- Nachlasses( Civica Raccolta dellestampe A. Bertarelli) der Stadt Mailand, zu danken. Frau Cl. Alberici hat dazueine Einführung geschrieben und eine Bertarelli- Bibliographie samt einer Kurz-bibliographie der wichtigsten Literatur über die italienische Populärgraphikbeigesteuert und dazu A. Bertarellis Darstellung auf den Stand von heute ge-bracht. Dies wie auch die exakten Bilderläuterungen geben der Publikationeinen durchaus ernst zu nehmenden, wissenschaftlichen Rang. Aus dem gewal-tigen Schatz der italienischen Santi" und populären Druckgraphik sind immer-hin 62 Abbildungen( Schwarzweiß) beigegeben, deren treffliche und interessanteAuswahl gleichfalls Cl. Alberici zu danken ist. Unter den so schätzenswertenAktionen zur Bekanntmachung italienischer, vornehmlich populärer Graphik

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