2006, Heft 4
Wallfahrtsandenken von Maria Dreieichen
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deren Zentren noch unbekannt sind. Ein im Höbarthmuseum derStadt Horn verwahrter hölzerner Lebzeltenmodel mit kunstvoll ein-geschnittener Darstellung des Dreieichener Gnadenbildes dokumen-tiert eindrucksvoll leicht vergängliche, weil essbare Wallfahrtsanden-ken. Die davon in einem Horner Lebzelterbetrieb geformten Lebku-chen werden die Wallfahrtsreise nicht allzu lange überdauert haben.Der Model wurde sehr stark beansprucht, worauf eine Reparatur,welche die Schrift betrifft, hinweist. Der alte Text ,, Maria 3 Eichen"war durch den intensiven Gebrauch teils unleserlich geworden undmusste etwas oberhalb des alten Schriftbildes neu eingeschnittenwerden. Im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurdenLebzeltenmodel für Heiligendarstellungen oder Wallfahrtsartikelverhältnismäßig selten hergestellt. 23 Die Nähe der Wallfahrtsstätteund die Nachfrage waren hier sicherlich primär für die Anfertigungausschlaggebend. In dieser Zeit bis in das 20. Jahrhundert hineinkamen auch Rosenkränze und Weihbrunnkessel sowie in Formengegossene Zinntafeln, geschmückt mit dem Gnadenbild, bei denHändlern zum Verkauf.„, Schneekugeln“, Kirchenmodelle, Häferloder Gläser mit Hinweis auf den Gnadenort seien nur am Randeerwähnt. Diese neueren Verkaufsartikel wird man aber nur bedingtals Wallfahrtsandenken zu verstehen haben, sie sind wohl eher fürTouristen gedacht.
Eine wesentliche Rolle im Wallfahrtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Wallfahrtsbrauchtum spielen die klei-nen Andachtsbilder24( Gebetbuchbilder), die für manche Orte bereitsim 17. Jahrhundert nachweisbar sind. Hergestellt wurden und werdendiese Bildchen als Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich, Lithographieund in den modernen Drucktechniken. Zu ihrer ursprünglichen Be-deutung als Andenkenbild oder Einlegebild für das Gebetbuch kambald auch die Funktion als Amulett oder Talisman. Die kleinenAndachtsbilder mit dem Vermerk ,, geweiht und angerührt“ oder„, istangerührt" galten als heilig oder gar heilkräftig. Für Maria Dreieichenstammen die ältesten bekannten Bildchen, die auch in Verwendung
22 Belege beispielsweise im Höbarthmuseum der Stadt Horn und in der Sammlungdes Verfassers.
23 Schmidt, Leopold: Lebzeltenmodel aus Österreich. Wien 1972, S. 8 und S. 12f.24 Vgl. dazu Spamer, Adolf: Das kleine Andachtsbild vom XIV. bis zum XX. Jahr-hundert. München 1930. Gugitz, Gustav: Das kleine Andachtsbild in denösterreichischen Gnadenstätten in Darstellung, Verbreitung und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum nebsteiner Ikonographie. In: Österreichische Heimat 16. Wien 1950.
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