Heft 
57 (2022) 1
Seite
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Lieblingsobjekt

57. Jahrgang

Das Sackerl( Plastikbeutel,Plastiktüte, Tragetasche,Plastiksackerl, Papiersackerl)

,, Alle glücklichen Familien sind einanderähnlich, jede unglückliche Familie istunglücklich auf ihre Weise."( L. Tolstoi) Auseinem Lieblingsbuch des Bibliothekars, aberdas wäre eine andere Geschichte.

Die Klimaprognosen für die nächstenJahre, für die nächsten Generationenlassen nichts Erfreuliches, schon ehersehr Erschreckendes erwarten. Aber wiedas sprichwörtliche Kaninchen vor derSchlange, scheint auch die Menschheitangesichts der immer wiederkehrendenund sich verschlimmernden Klimaberichtein Schreckstarre zu verfallen. Deutschlandhat letzten Berichten der Weltorganisa-tion für Meteorologie( WMO) zufolge dasselbst gesetzte Ziel, die durchschnittlicheglobale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zubeschränken, bereits mit einem Wert von1,6 Grad erreicht bzw. überschritten.

Aktuell geht die WMO davon aus, dass bis2100 die durchschnittliche Erwärmung desPlaneten 2,5 bis 3 Grad erreichen wird. Vondem bei der Klimakonferenz 2015 in Parisbeschlossenen Ziel von 1,5 Grad ist nichtmehr die Rede. In naher Zukunft werdenDürre, Hungersnöte, Ressourcenkämpfe undFluchtbewegungen die weltweiten Nach-richtenkanäle dominieren.

Laut Heinrich Böll Stiftung heizt auchPlastik bzw. dessen Produktion das welt-weite Klima an:

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,, In der Klimapolitik konzentriert sichdie Aufmerksamkeit größtenteils aufdie Energie- und Verkehrswende. Aberauch die Industrie ist von erheblicherBedeutung:[...] Vor allem die Kunststoff-

produktion trägt dazu bei, dass dieseEmissionen weiter zunehmen. Kunst-stoffe und synthetische Fasern werdenaus Öl und Gas gewonnen. Über 99Prozent basieren auf fossilen Rohstof-fen. Weltweit nimmt der Ölverbrauch inkeinem anderen Bereich so stark zu wiebei der Herstellung petrochemischerProdukte.[...] In den USA und anderswobieten Kunststoffe und andere petro-chemische Erzeugnisse nach wie vor eineprofitable Marktperspektive für klima-schädliches gefracktes Gas[...].

Nun denken Sie wahrscheinlich, was hat dieKlimakrise mit dem Lieblingsobjekt einesBibliothekars zu tun? Nun ja, eigentlichkann man ohne Klimadenken nicht malmehr ein gutes Steak verzehren, eine feineGuacamole genießen, geschweige denn sichin Hochglanz- Reisebroschüren verlieren,welche zuhauf als Postwurfsendungen dieBriefkästen fluten, und dabei von Fern- undNahreisen träumen. Adieu Kulinarik, adieuSandstrand unter Palmen. Und auch: AdieuPlastiksackerl!

Buchhändler unseres Vertrauens istBernhard Riedl in seiner gleichnamigenBuchhandlung in unweiter Entfernung desVolkskundemuseums, in der Alser Straße 39.Ein Ort gut sortierter Literatur, mit überausfreundlichen und kompetenten Betrei-bern. Die Museumsbibliothek ist nun schonseit fast zwei Jahrzehnten Kunde, und beiAbholungen aus dem Geschäftslokal sindbei umfangreicherer Fracht oder Schlecht-wetter auch Tragetaschen notwendig.

Jahrelang wurden die immer gleichen inweiß/ blau gehaltenen Plastiktragetaschengenutzt. Neben Namen und Adresse derBuchhandlung waren sie mit den Anfangs-ätzen meist sehr bekannter Literaturer-zeugnisse bedruckt, z. B. Über dem Atlantik