SCHAUFENSTER
Neuigkeiten aus der Provenienzforschung
Gleich zu Beginn eine sehr gute Nachrichtdank einer Förderung des Bundeskanzleramtesund der Kommission für Provenienzforschungkann die Provenienzforschung im Volkskunde-museum Wien um weitere zwei Jahre, bis Ende2018, fortgesetzt werden. Damit ist es möglich,die bisherigen Recherchen zu den Erwerbun-gen der Jahre 1938-1945 weiterzuführen, weite-re Dossiers zu erstellen und, wie in der letztenAusgabe beschrieben, den Untersuchungszeit-raum zumindest bis 1965 auszuweiten.
Außerdem wird es durch diese Verlängerungmöglich sein, die Erwerbungen der Bibliothekdes Museums einzubeziehen. Dafür leistetenzwei sehr engagierte und kompetente Volontä-rinnen, Marlene Kirschbaum und Paula SophiePrüssner, bereits wichtige Vorarbeiten, indemsie zahlreiche Bücher, autopsierten', wie es inder Fachsprache der Provenienzforschung heißt:Sie suchten nach Ex Libris, Widmungen, Stem-peln oder sonstigen Einträgen in den Büchern,die Hinweise auf frühere Eigentümerinnen undEigentümer sein könn( t) en.
Meist ist die Rekonstruktion der Eigentumsver-hältnisse nur mithilfe anderer Quellen möglich:Besonders hilfreich ist hier die, Ex- Libris Daten-bank' der Nationalbibliothek und die von derKommission für Provenienzforschung entwickel-te, Datenbank der Provenienzmerkmale', in diedie ProvenienzforscherInnen kontinuierlich ihreRechercheergebnisse eintragen und somit ihrenKolleginnen zur Verfügung stellen.
Ein weiterer wichtiger Schritt der Dokumen-tation und der Vernetzung ist das für heuergeplante Online- stellen des, Lexikons derProvenienzforschung' der Kommission für Prove-nienzforschung. Ursprünglich eine einfacheNamensliste von Personen und Institutionen, die
die ProvenienzforscherInnen erstellt hatten, umDoppelgleisigkeiten der Recherchen zu vermei-den, wuchs diese Liste im Lauf der Jahre zu einerumfangreichen Datenbank an. Das geplanteLexikon wird biografische Einträge zu verfolg-ten Personen enthalten, aber auch umfassen-de Informationen zu jenen Einrichtungen undPersonen, die in der NS- Zeit an den systemati-schen Verfolgungs- und Beraubungsmaßnah-men beteiligt waren bzw. davon profitierten:NS- Institutionen, Museen, Antiquariate undBuchhandlungen, Firmen und Auktionshäuser,weiters Bergungsorte für museale Sammlungenwährend des Krieges. Auch zum Volkskundemu-seum Wien sind Beiträge für dieses Lexikon inVorbereitung.
Abschließend noch zu einem konkreten Ergeb-nis der Umsetzung des Kunstrückgabegesetzes( BGBl. I Nr. 181/1998) im Volkskundemuseum:Wie schon berichtet, entschied der Kunstrückga-bebeirat am 15. Oktober 2015 auf Rückgabe derSammlung von Dr. Siegfried Fuchs. Ihm war 1940die Flucht geglückt, er gelangte nach Shang-hai, wo er 1946 starb. Die MitarbeiterInnen desVolkskundemuseums übergaben seine Samm-lung im Dezember 2016 an eine in Wien lebendeVertraute denn die Erbinnen und Erben von Dr.Fuchs leben infolge der nationalsozialistischenVerfolgungs- und Vertreibungspolitik und ihrerlangfristigen Nachwirkungen auch in der Zwei-ten Republik nicht in Österreich.Claudia SpringProvenienzforschung
2/2017
LO
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