SCHAUFENSTER
Zwei Jahre ProvenienzforschungVolkskundemuseum Wien: Bilanz und Ausblick
Wie schon berichtet, erfolgt seit Frühjahr 2015,analog zu den Bundesmuseen, auch im Volks-kundemuseum Wien eine systematische Prove-nienzforschung im Sinne des Kunstrückgabege-setzes( BGBl. I Nr. 181/1998). Dabei kooperiertdas Museum eng mit der Kommission für Prove-nienzforschung und dem Nationalfonds fürdie Opfer des Nationalsozialismus. Dank derumfangreichen Vorarbeiten der Objektmana-gerin und der Kuratorinnen des Museums lagbereits zu Beginn des Projekts eine Namenslistemit insgesamt 213 Personen und Institutionenvor, von denen das Museum zwischen 1938 und1945 Objekte erworben hatte. Diese Namenwurden mit den mittlerweile umfassenden Quel-len und auch Datenbanken, die der Provenienz-forschung zur Verfügung stehen bzw. von denProvenienzforscherInnen in den letzten 18 Jahrenerstellt wurden, abgeglichen. Diese Recherchenbrachten bis dato folgende Ergebnisse:
Drei in der NS- Zeit entzogene Sammlungenwurden aufgrund der nach Kriegsende beschlos-senen Rückstellungsgesetze Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre an die ehemaligenEigentümerlnnen restituiert.
Vier Erwerbungen wurden ebenfalls in diesemZeitraum zurückgegeben, da es sich um vorü-bergehende, kriegsbedingte Einlagerungen vonSammlungen gehandelt hatte.
Neun Erwerbungen gelten aufgrund der vorlie-genden Akten als eher bedenklich, bei 61Erwerbungen brachten die Recherchen in denQuellen und Datenbanken der Provenienzfor-schung noch keinerlei Ergebnisse, weshalb esnoch vertiefter Recherchen zur weiteren Klärungbedarf.
Zu acht Erwerbungen sind Dossiers für denKunstrückgabebeirat in Vorbereitung.
Die Übergabe von detaillierten Objektinformati-onen an die Kunstdatenbank des Nationalfondsfür die Opfer des Nationalsozialismus erfolgtkontinuierlich, nach derzeitigem Stand derRecherchen betrifft dies etwa 50 Erwerbungenaus der NS- Zeit.
Der Kunstrückgabebeirat entschied zu den dreiErwerbungen, zu denen das Museum Dossiersvorlegte, jeweils auf Rückgabe der Objekte andie RechtsnachfolgerInnen der ehemaligenvon Dr. Siegfried Fuchs,
Eigentümerlnnen
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von Ing. Georg Popper und von Anna Mautner.Im Museum ist bereits alles für die Rückgabevorbereitet.
In den ersten beiden Jahren umfasste derRecherchezeitraum die Erwerbungen der Jahre1938 bis 1945, doch selbstverständlich gilt eskünftig, sämtliche vor 1945 entstandene Objek-te, die im Museum von 1933 bis heute inventa-risiert wurden, hinsichtlich ihrer Provenienz zu
Bibliothek des Volkskundemuseums.
Zweiundachtzig Erwerbungen können als unbe-denklich im Sinne des Kunstrückgabegesetzes überprüfen, ebenso die Erwerbungen für diegelten: Es finden sich keine Hinweise, dass dieVoreigentümerlnnen vom NS- Regime verfolgtworden waren, darüber hinaus liegen Akten zumErwerb der Objekte vor, die deren Kategorisie-rung als unbedenklich erlauben.
Claudia Spring
Provenienzforschung
4
52. Jahrgang