Heft 
53 (2018) 3
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3/2018

,, Die Abende sollen Sprengstofffür Diskussionen, aber vorallem auch Empowerment undInspiration sein"

Ein Gespräch mit Lisa Mai

Zum vierten Mal findet nun das Kurz-filmfestival dotdotdot im Volkskunde-museum Wien statt. Wie kam es zu dieserKooperation und warum fühlt ihr euchhier so wohl?

Die Kooperation hat quasi schon histori-sche Wurzeln. 2010 haben wir zum erstenMal hier angedockt mit espressofilm. Dasist als kleine Filmreihe gestartet, in demNebenraum von einem Kaffeehaus ganz inder Nähe vom Museum. Wir hatten nichterwartet, dass das Interesse so groß seinwürde und die Leute im Sommer wirklichkommen und sich mit Kurzfilm und schrä-gen Formaten auseinandersetzen wollen.Es sind irrsinnig viele Menschen gekommen.Wir haben dann intensiv nach einem neuenAusrichtungsort gesucht. Dass wir letzt-endlich im Volkskundemuseum gelandetsind, geht auf eine Einladung des 8. Bezirkszurück, im großen Saal des Museums einenFilmabend zu kuratieren. Bei diesemeinen Abend, der nur als Gastauftrittgeplant war, haben wir uns total in das Hausverliebt. Damals war aber noch alles ganzanders, die Passage zum Park gab's nochnicht und wir haben mit der revolutionä-ren und irritierenden Idee angedockt, dasswir ein Festival sind, das bei freiem Eintrittstattfindet und wenn freier Eintritt ist,müssen die Türen offen sein. Diese Öffnungwar auch sehr aufregend fürs Museum-steam, für uns alle, aber ein wunderschönesErlebnis. Es hat irre gut funktioniert, vielehaben so erst den Garten und das Museum

Das Museum als USEum

selbst entdeckt und das Feedback in denersten zwei Jahren war enorm.

Das entspricht ja auch ganz eurem Motto:,, Kurzfilme für alle!"

Ja, das wollten wir mit dotdotdot einfachganz progressiv angehen. Mit espressofilmhaben wir uns fünf Jahre hier an diesemOrt intensiv mit Kurzfilmen befasst undes sollte immer schon barrierefrei sein, aberes war einfach kein barrierefreies Festival.Dadurch dass wir kommuniziert haben, dassder Eintritt frei ist und auch jeder kommenkann, ist immer mehr Feedback von Leutengekommen, die aus verschiedenen Gründennicht kommen konnten. Je offener du seinmöchtest, desto mehr erfährst du eigent-lich, dass du gar nicht so offen bist, wie duglaubst. Zum Beispiel schließt das einfacheine bestimmte Bevölkerungsschicht aus,wenn Filme nur auf Englisch untertitelt sind.Und wir hatten den Wunsch, die Alters-gruppe zu erweitern und auch mit ganzjungem Kinopublikum zu arbeiten, also Kinofür die Kleinsten zu machen. Wir hattenLust, diesen barrierefreien Anspruch neuzu denken. Mit dotdotdot wollten wir auchwirklich etwas Politisches erzählen und for-dern, etwas konkret in Bewegung setzen.

Hast du Ideen, wie sich das Festivalund sein Anspruch auf Barrierefreiheitweiterentwickeln könnten?

Ohne Ende! Aber das Problem ist, dassdie Fördersituation ein bisschen depri-mierend ist. Es war ein ziemlicher Kraftakt,dotdotdot zu entwickeln. Im Kulturbe-reich ist Barrierefreiheit wirklich so einNischen- Ding, das können sich auch nur

die ganz Großen leisten und die machendas ja auch nur marginal. Im Filmfestival-und Kinobereich beschäftigt sich sowiesoniemand mit Barrierefreiheit. Obwohl jetzt

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