3/2018
Endbericht des ProjektsKaiser Gerstel, Kapauner Würstelund Schnee Baalen.
Citizen Scientists transkribierenhistorische Rezepte
Im Jahr 2012 gelangte ein handgeschrie-benes Rezeptbuch als Schenkung in dieHandschriftensammlung des Volkskunde-museums. Die Überbringerin HermineKreitschek fand dieses Kochbuch imNachlass ihrer Mutter vor. Diese hatte esals Geschenk von der OffizierswitweTheresia Sicard von Sicardsburg aus Pittenin Niederösterreich etwa in der Zeit um1910 erhalten.
Regionalsprache und Rezepte deutenauf eine Entstehung im Nordosten Öster-reichs hin. Aufgrund einzelner Buchsta-benformen, der Ausführung von Ober- undUnterlängen, Schnörkel und Schmuckele-menten ist das Rezeptbuch in die 2. Hälftedes 18. Jahrhunderts zu datieren. DasBuch beinhaltet ungeordnete Rezepte fürSuppen, Fleisch-, Fisch- und Krebsgerichte,Saucen, Pasteten, Eingemachtes und Mehl-speisen. Zahlreich sind die Kochanleitungenfür Süßspeisen ob der vielen Fasttageim Kirchenjahr. Zudem wurde Wohlstanddemonstriert und teure, delikate Zutatenwie Zucker, Mandeln, Zitronen und Zimtfanden Verwendung.
Die rund 350 Rezepte wurden mitUnterstützung von 15 freiwillig tätigenCitizen Scientists buchstabengetreu vonder Kurrentschrift in die heutige Druck-schrift transkribiert. Weiters wurdendie Angaben von Ingredienzien und Maß-einheiten zum besseren Verständnis in dieGegenwart übersetzt. Die Zusammenarbeitmit den Projektteilnehmerinnen Simone
Schaufenster
Blassnigg, Heidemarie Brezina, HeidrunDrexler- Schmid, Karin Fleisch, Felizi-
tas Gattermann, Uschi Gross, GerlindeGruber, Nina Harm, Vera Härtel, GudrunKanatschnig- Minichshofer, Michaela Krbu-sek- Waldmann, Liane Nijemcevic- Hoffmann,Susanne Ohrenstein, Karin Schob und EdithStrasser war äußerst bereichernd. DasProjekt fand von Oktober 2017 bis Mai 2018am Volkskundemuseum Wien statt undumfasste 11 Treffen, in denen sich Theorieund Praxis verbanden. Zuletzt wurdenausgewählte Rezepte in der Schauküchedes Volkskundemuseums nachgekocht.Es war eine besondere Freude, dass diehochbetagte Überbringerin des Rezept-buches, Hermine Kreitschek, am finalenKochevent teilnehmen konnte.
Das Projekt konnte dank einer Förderungdes Bundesministeriums für Arbeit, Sozialesund Konsumentenschutz verwirklichtwerden. Alle digitalisierten Seiten des his-torischen Rezeptbuches mit der Inventar-nummer ÖMV/ 86.240, die Transkriptionenmit den erläuternden Fußnoten und dieMetadaten sind in den Online- Sammlungenauf der Webseite des Volkskundemuseumsöffentlich zugänglich.
Sabine Paukner
Wissenschaftliche Leiterin
Projektförderung:
sozial
MINISTERIUM
Service
SOZIALMINISTERIUM
SERVICE
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