Druckschrift 
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten : Ein Versuch zur Erfassg ihrer Formen u. ihres Bildgutes
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Renommage, dann wieder Rangabzeichen und Vorrecht der Tapferen oderauch gegenteilig diffamierende Kenntlichmachung und Verbrecherzeich-nung. Hier tritt sie als Stammes- und Standeszeichen oder( gleich deneingebrannten Gotteszeichen der Hindupriester) als Kultbild auf, dort alsapotropäisches Amulett wie bei den Fellachen Glossar ::: zum Glossareintrag  Fellachen, die gegen 150 Hautbilderals Schutz gegen die verschiedenen Krankheiten kennen. Sehr häufig dientdie Tätowierung bei den Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven zur Kenntlichmachung wichtigerLebensabschnitte( Pubertät, Hochzeit, Witwenschaft). Selbst der Privat-standart findet bei Indianerstämmen Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianerstämmen seinen Ausdruck im Hautbild³).

In den heutigen Kulturländern beschränkt sich die Tätowierung alsGemeinschaftsphänomen auf die sogenannten unteren" Volksschichtenund tritt auch in ihnen in wechselnder Stärke zutage. Religiöse Vor-schriften verbieten sie den Juden( Leviticus, Moses) und Türken( Koran).Auch sind die Gründe der Tätowierung heute oft verdunkelt, und viele treibtnur Nachahmungstrieb, Langeweile, Übermut, Trunkenheit und Zufallzum Hautbild. Als Berufszeichen lebt es noch im Handwerkerwappen.Während die Tätowierung der Reichbebilderten der Heimat meist reinerSchmuck ist, und der Hautbildbesitzer mit Stolz seine eigene Kunst- undWunderkammer auf dem Leibe trägt, sind die Tätowierungen der Matrosenzum großen Teil Erinnerungsbilder, die sie als ,, Souvenirs de......"aus allen Häfen der Welt nach Hause tragen. Eine umfängliche Bildgruppedient der Festhaltung von Gemütszuständen( Sehnsucht, Liebe, Trauer,Gedenken, Haßẞ). So ist das Hautbild vielfach emblematischer Ausdruckder Besiegelung eines Racheschwurs oder eines Liebes- und Freundschafts-verhältnisses, für die sich in unserem Backfischbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Backfischbrauchtum auch heute nochdann und wann die Narbentätowierung findet. Während sich christlicheEmbleme besonders bei romanischen Völkern erhielten, überrascht dieTätowierung als solche zur Kenntlichmachung der Religionszugehörigkeitbei den Katholiken Bosniens und der Herzegowina). Die ornamentalenMuster beschränken sich in Deutschland auf Sterne) und seltene kleine

3) Einen in die allgemeine Tätowierungsliteratur nicht eingegangenen Hinweisauf die Narbentätowierung bei den Turkanas( Brit. Ostafrika) gibt das HamburgerFremdenblatt vom 11. Februar 1904. Danach zeigt deren Hautstich die Anzahl dererschlagenen Feinde. Reicht ihr Körper nicht mehr aus, so setzt man die Aufzählungan den Leibern der Frauen fort. 1911 machte Rev. Francis Rawel, Pastor an einerMethodistenkirche in Chikago, den grotesken Vorschlag einer Tätowierzeichnung allerEhefrauen zur Erschwerung des Ehebruches( vgl. BZ. am Mittag, 27. März 1911).

4) Vgl. Leopold Glück, Die Tätowierung der Haut bei den Katholiken Bos-niens und der Herzegowina: Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien und der Herze-gowina, Bd. 2, 1894, S. 455-462; Čiro Truhelka, Die Tätowierung bei den Katho-liken Bosniens und der Herzegowina; ebd. Bd. 6, 1896, S. 493-508. Vgl. auch ÜberLand und Meer, 1903, Nr. 26.

5) Neben Sternen stach man vor dem Krieg besonders Kronen als Zierstücke.