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MASSBAND UND ARMBANDUHR
Klick, Klick, Klick, SSSSSSSST
Schon die Geräusche die mein Maẞ-band beim aus und einrollen von sichgibt, wirken auf mich wie Baldrian-
tee,dieser MaẞbandgewordeneAnti- Stress Ball, den ich fast jedenTag mit mir führe, ist zu einemCharakteristikum meiner selbst ge-worden. Es ist sowohl die Möglich-keit die Maße von Dingen zunehmen als auch die Erinnerung,die an jenem Gegenstand haftet, dieihn für mich ausmacht. Schon vonaußen ist Geschichte in den Gegen-stand eingeschrieben, sowohl seineGrell- Orangene Farbe als auch diePrägung„ Made in West- Germany"weisen auf die Zeit aus der dieserGegenstandstammt. Dabei ist dasMaßband, welches seine Zweck-mäßigkeit langsam einbüßt, da esmit nicht mehr möglich ist Längenvon bis zu fünf Zentimetern genauzu bestimmen, mehr als ein gegen-ständliches Zeitdokument oder einrein zweckdienliches Objekt Es ge-hörte meiner Großmutter AnneDore Fischer, aufgewachsen in länd-lichen Verhältnissen studierte siean der Kunst und Gewerbeschule inHannover und arbeitete lange Jahreals Schneiderin.
Manchmal, wenn ich dieses Maẞbandin meiner Hand halte, binich wieder ein Kind, sitze inder hölzernen Metzgermolle,die meine Großmutter immerin ihrem Wohnzimmer stehen hatte,eine Schneiderelle in der Hand undbesegle als Pirat die sieben Welt-meere. Diese Erinnerungen erdenmich, sie ermöglichen es mir, meineVergangenheit mit meiner Gegen-wart in Bezug zu setzen. Als meineGroßmutter starb, war es dieses Maß-band, welches auf wundersame Weisein meinen Besitz kam. Als Symbolsteht es für die Liebe zum kreativenSchaffen, welche meine Großmutteran meine Mutter und schließlich auchan mich weitergab.
Meine Armbanduhr, die ich oft miteiner abrupten Drehung meinesHandgelenks aufziehe, ist, wie meinMaßband, ein Erinnerungsgegen-stand. Sie charakterisiert mich, er-innert mich an ein Versprechen, dasich dem ursprünglichen Eigentümergab, sie lässt mich eine Haltung ein-nehmen. Die Armbanduhr als solcheist ein Gegenstand, der die Zeit sowohlzu einer messbaren, konsumier-baren Instanz transformiert, als auchdie Machtlosigkeit gegenüber ihrem