-narrative zu immunisieren. Eine wissenschaftshistorische Selbstver-gewisserung mit sedierten Objekten. Doch was, wenn sie aus ihremSchlummer erwachen?
Dort, wo im vorvorletzten Raum der Putz bröckelt, steht nicht irgend-etwas. Es ist das Kapitel„ Armut". Selbstkritisch verweist der Textdarauf, dass der( im doppelten Sinne des Wortes) gesenkte Blick derVolkskunde natürlich nie„ ganz unten“ meinte. Dort also, wo die„ Unter-privilegierten" ihr( vor-) modernes Dasein fristeten. Zwei Objektgruppenillustrieren den blinden Fleck: Zum einen scheinheilige Fußwaschungender Armen durch Habsburger Regent* innen und zum anderen materi-elle Zeugnisse von- äußerst populären- Belustigungen: Witzfiguren,deren Spott Bettler, Krüppel Glossar ::: zum Glossareintrag Krüppel und Aussätzige zum Ziel hatte. Darüberhinaus kommen die„ Armen“ in dieser volkskundlichen Schau nicht vor.Ein Volk ohne Folgen.
Eine Ethnologie für das 21. Jahrhundert
Nationalstaatliche Ordnungen trennen qua Staatsbürgerschaft politischin Insider und Outsider. Auch die Kulturanthropologie avant la lettre,die im weitesten Sinne vom nomos der Erde( dem Territorium) herdach-te, affirmierte die Differenz. Ihre Beschau der Identität setzt das Eigenein Abgrenzung vom Anderen fest und bietet ihre Begriffskreationen zurExtrapolation für neue Politiken geradezu an. Dies hat die Volkskundein den 70er Jahren erkannt und in langen institutionellen Kämpfen denKurs radikal gewechselt. Aus diesem Grund hängt auch im ersten Raumder Dauerausstellung der„ Vogel Selbsterkenntnis". Er ist zugleich dasLogo des Hauses. Warnend und wachend schwebt die Figur, die sichselbst in die Nase beißt, über völkischen Atlanten und Nazi- Devotionali-en und probt dort den permanenten Exorzismus der eigenen, materiel-len Sammlung. Eine Kathedrale der Selbstreflexivität.
Die Paradoxien suchen gegenwärtig viele ethnologische Museen heim.Zwischen Dekolonisierung und Restitution, materieller Alltagskultur undneuen technologischen Bedingungen, Neo- Nationalismus und post- na-tionalem Kulturerbe, zwischen weltmusealem Exotismus und dem aus-gerufenen Tod des Museums lässt der Rückzug in die Selbstreflexivitätund die diskursive Isolierung das Feld der Gegenwart und der Zukunft
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