Druckschrift 
Zeit Raum Beziehung : Menschen und Dinge im Konzentrationslager Dachau ; Essayband zur Ausstellung von Studierenden der europäischen Ethnologie (Universität Wien) in der KZ-Gedenkstätte Dachau ; KZ-Gedenkstätte Dachau, 7. November 2007 bis 27. Januar 2008
Entstehung
Wien [2007]
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Ernst und Ferdinand Berger( von links) im Stubaital1964.

11 Die Volksstimme" war die Tageszeitung derKommunistischen Partei Österreichs KPÖ.12 DaA, Archivnummer 1889.

13 Vgl. Interview Ernst Berger, 15.03.2007( SabinaMuriale und Daniela Schadauer), Transkript, S. 1.14 Ebd.

15 Interview René Berger, 03.04.2007( SabinaMuriale und Daniela Schadauer), Transkript, S.1.

weiterhin künstlerisch tätig und arbeitete als Redakteur bei einer politischenTageszeitung, der Volksstimme". 11 Seine Witwe, Fritzi Furch, einzigeZeitzeugin unter den InterviewpartnerInnen, erlebte selbst als junge Frau dieVerschleppung und Inhaftierung in das Konzentrationslager Ravensbrück.

Zwischen den Generationen

Ferdinand Berger( 1917-2004) war von Februar 1941 bis zu seinerÜberstellung nach Flossenbürg im Juli 1944 im KonzentrationslagerDachau. Dort musste er in der Kiesgruppe und in der Kleiderkammer für dieSS arbeiten. Nach 1945 war er Oberpolizeirat in Wien. 12 Für seinen SohnErnst Berger stellt das Leben des Vaters als Widerstandskämpfer einenwichtigen Punkt in der gemeinsamen Beziehung dar. Zugleich formulierter im Gespräch auch, wie schwierig es sei, einen Vater zu haben, der ein,, Heldenleben" geführt hat, auch wenn ihm bewusst ist, dass sein VaterWiderstandskämpfer aus schlichter Notwendigkeit gewesen ist 13. ,, Ein Punkt,der so frühe Beziehungselemente[...] darstellt, ist die Tatsache, dass[...]er meine Erziehung so gestaltet hat, dass ich[...] KZ- Haft überleben kann[...] sollte so etwas wieder entstehen. Das waren die Grundprinzipien derErziehung.[...] Ordnung, Selbstdisziplin, ständige Selbstreflexion deseigenen Verhaltens: Warum tut man etwas, wie könnte man's auch andersmachen und warum? Bis hin zu ganz banalen Dingen, wie körperlicheHygiene." 1

Wie anders die eine Generation später Geborenen ihre Beziehung zu denÜberlebenden gesehen haben, zeigt im Vergleich der folgende Auszug ausdem Interview mit dem Enkel Ferdinand Bergers, René Berger: ,, Vorweggeschickt ist es, glaub ich, für mich sehr praktisch gewesen, dass eineGeneration dazwischen war. Weil mein Großvater war zu meinem Vatersehr fordernd. Doch auch ein gewisses patriarchalisches Verhältnis. Beimir war das alles schon etwas gelöster.[...] Für mich war mein Großvaternie, sozusagen ausschließlich, eine Person, die ich mit Blick auf Dachaugesehen hab. Er hat sich selbst[ jedoch, d. V.] sehr stark als ehemaligerKZ- Häftling gesehen und sein ganzes Denken war davon geprägt, dass erwusste wie grauselig Leute, Menschen sein können." 15

Dass bei den Interviews nicht nur Fragen nach den Umständen derÜberlebenden und ihrem Alltag im Konzentrationslager gestellt wurden,sondern auch darum gebeten wurde, über die persönliche Beziehung zu denÜberlebenden, über das persönliche Verhältnis zum jeweiligen verwandtenMenschen zu sprechen, irritierte manche InterviewpartnerInnen. Sie alleverbindet zwar ein selbstverständliches Wissen über die Erfahrungen undErinnerungen des Überlebenden während des Spanischen Bürgerkriegs undseiner Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau. Doch wenn auchdiese konkreten Erlebnisse wiederholt erzählt wurden und in den Familiender InterviewpartnerInnen ein immer wiederkehrendes Thema waren, wurdein den Familien an das Thema doch mit unterschiedlicher Intensität undzuweilen mit Ausblendung der Zeit im Konzentrationslager herangegangen.

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