Druckschrift 
Zeit Raum Beziehung : Menschen und Dinge im Konzentrationslager Dachau ; Essayband zur Ausstellung von Studierenden der europäischen Ethnologie (Universität Wien) in der KZ-Gedenkstätte Dachau ; KZ-Gedenkstätte Dachau, 7. November 2007 bis 27. Januar 2008
Entstehung
Wien [2007]
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Fragestellungen in den Interviews mit den Angehörigen von ehemaligenSpanienkämpfern. Daraus entwickelten sich weitere Fragen, so etwa dieFrage, inwiefern die Zeit im Konzentrationslager das spätere Familienlebenbeeinflusst hat beziehungsweise wie die erlebte Gefangenschaft impersönlichen Umfeld reflektiert wurde. Um das Konzentrationslager Dachauund die jeweilige Person schärfer zu konturieren, wurde zudem nach denTätigkeiten der Überlebenden im Lager und nach deren Erzählungen ausdem Lageralltag gefragt.

In ihren Erzählungen verwiesen die Gewährsleute immer wieder auf dieTatsache, dass ihre Angehörigen Spanienkämpfer gewesen sind. Das wirdunter anderem auch im Fall von Evi Cakmak deutlich, die gleich zu Beginndes Interviews den Weg ihres Vaters, Wilhem Etz, und ihres Onkels, FranzEtz, als Spanienkämpfer ins Konzentrationslager Dachau beschreibt: ,, Beide,sowohl mein Onkel als auch mein Vater waren ja bei den Februarkämpfen inWien anwesend und waren dann aufgrund der politischen Situation, beidewaren Kommunisten, geflüchtet sozusagen und sind in die Sowjetunion.[...]Dort haben sie gelebt, gearbeitet und von dort sind sie in den SpanischenBürgerkrieg gegangen und sind dann eben vom Spanischen Bürgerkriegausgeliefert ins Konzentrationslager, sofort nach Dachau.[... U] nd beidesind zurückgekehrt." 8 Wilhelm Etz( 1912-1982) wurde im Mai 1942 indas Konzentrationslager Dachau eingeliefert und musste im AußenlagerFriedrichshafen als Maschinenschlosser in der Rüstungsabteilung arbeiten.Im September 1944 wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald überstelltund blieb dort bis zur Befreiung. Nach 1945 arbeitete er unter anderem alsVerkaufsleiter für die Buchhandlung ,, Internationales Buch".

Fritzi Furch in ihrem Wohnzimmer. Wien 2007.

Franz und Wilhelm Etz. Andenkenfotografie Leningrad 1935.

Auch Fritzi Furch begann ihr Interview mit der Erklärung, dass ihr Mann,Bruno Furch( 1913-2000), nach seiner aktiven Zeit als Spanienkämpferüber das französische Internierungslager in Gurs im Mai 1941 nach Dachaukam. Als bildender Künstler war er im Arbeitskommando der Buchbindereitätig. Im Juli 1944 kam er ins Konzentrationslager Flossenbürg. Ein Jahrspäter gelang ihm die Flucht aus einem Todesmarsch. 10 Nach 1945 blieb er

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6 Der Begriff Spanienkämpfer bezeichnet jenePersonen, die im Spanischen Bürgerkrieg( 1936-39) auf Seiten der ,, Internationalen Brigaden" gegenden Faschismus kämpften. Viele österreichischeSpanienkämpfer wurden nach dem Fall der spani-schen Republik über französische Internierungslagerins Konzentrationslager Dachau deportiert. Die inden Erzählungen auftretenden Überlebenden bliebenin der Zeit von etwa 1941/42 bis zur Befreiung derAlliierten in politischer Gefangenschaft.

7 Der Umstand, dass alle Interviewten Angehörigevon Spanienkämpfern waren, ergab sich zufälligüber persönliche Kontakte und die Vermittlungverschiedener Institutionen.

8 Vgl. Interview Evi Cakmak, 7.03.2007( SabinaMuriale und Daniela Schadauer), Transkript, S. 1.,Interview Evi Cakmak, 14.06.2007( Sabina Murialeund Daniela Schadauer) Transkript, S. 1.

9 Vgl. Interview Fritzi Furch, 22.03.2007( SabinaMuriale und Daniela Schadauer), Transkript, S. 1.10 DaA, Archivnummer 1125.

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