Druckschrift 
Zeit Raum Beziehung : Menschen und Dinge im Konzentrationslager Dachau ; Essayband zur Ausstellung von Studierenden der europäischen Ethnologie (Universität Wien) in der KZ-Gedenkstätte Dachau ; KZ-Gedenkstätte Dachau, 7. November 2007 bis 27. Januar 2008
Entstehung
Wien [2007]
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Was die Alltage derer jenseits der Wachanlagen und Stacheldrähtedes Konzentrationslagers ausmachte, findet sich unter völlig anderenVoraussetzungen auch im Lager: Alltagsleben bedeutet, in unterschiedlichenFormen von Beziehungen zu Menschen, Institutionen, Dingen, Ideen zustehen. Beziehungen im Konzentrationslager bildeten somit das Zentrumder Projektrecherchen, deren Ergebnisse schließlich für eine Ausstellungaufbereitet wurden. Ein weit gefasster Beziehungsbegriff- neutral undohne emotionalisierende Konnotationen gedacht machte es möglich,das Phänomen in seinen besonderen Bedeutungen und Ausprägungen zuuntersuchen. Weder sollte allein der sozial- gesellschaftliche Aspekt nochein ökonomischer zu starkes Gewicht erhalten. Es sind also im WortsinnRelationen, deren genauere Betrachtung aus qualitativen Perspektivenerfolgte: Begegnungen, Freundschaftsspuren, Gewaltbeziehungen,Zwangsbeziehungen, Nähe und Distanz.

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Den räumlichen Rahmen bildete das nationalsozialistische Konzentrations-lager Dachau. Zeitlich richtete sich der Blick schwerpunktmäßig aufdie österreichischen Gefangenen, die zwischen 1939 und 1945 imKonzentrationslager Dachau gefangengehalten wurden. Neben diesemhistorischen Zugriff bot sich auch eine gegenwärtige Perspektive aufBeziehungen im Konzentrationslager, indem sich die betagten Dachau-Überlebenden und deren Nachfahren mit ihren, Relationen zu Dingen undMenschen im Lager auseinander setzten.

Im Sinne der Europäischen Ethnologie als einer anthropologisch ausgerich-teten Wissenschaft stehen mit den Informationen und Erfahrungen derZeitzeugen die Menschen im Konzentrationslager im Mittelpunkt. DieAuslöschung des Menschen als Individuum war die Voraussetzung für dasFunktionieren des KZ- Systems, das auf Gewalt basierte. Das Außerkraftsetzendes Individuellen geschah etwa, neben dem Vergeben von Nummern anstelleder Namen, auch durch die systematische Zerstörung von Beziehungenzwischen den Menschen sowie in der Herstellung von Gewalt- undZwangsbeziehungen. Beides versucht die Ausstellung zu veranschaulichen.Gezeigt wird jedoch ebenso, dass dies nicht immer gelungen ist.

Mit der Erforschung von Beziehungen im Konzentrationslager" wurde mitdiesem Projekt kulturwissenschaftliches Neuland betreten. Weder in derEuropäischen Ethnologie/ Volkskunde noch in der Soziologie oder in derZeitgeschichte wurde- soweit es zu überblicken ist- bisher einschlägig zudiesem Thema geforscht, wiewohl Einzelaspekte in vielen Untersuchungenbeständig berührt werden, wann immer über Dinge, über Täter und Opfer,über Solidarität unter den Gefangenen, über Überlebenschancen undÜberlebensmechanismen etc. nachgedacht wurde.

Der Zugriff auf ein so umfassendes Thema kann im Rahmen einesStudienprojekts nicht erschöpfend sein, ebensowenig ist er repräsentativ.Allerdings wurde versucht, anhand der Quellen in Bibliothek und imArchiv der KZ- Gedenkstätte Dachau und des Dokumentationsarchivsdes Österreichischen Widerstands in Wien die unterschiedlichen

8 Im Rahmen des Projektes gaben acht Personen,die das Konzentrationslager Dachau überlebt haben,Auskunft.

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