Häuser und Menschen
Häuser und Menschen. Alte ländliche Häuser, und ländliche,landnahe Menschen. Zuerst die burgenländischen Höfe mit demTor zwischen den zwei Giebeln, von der Straßenseite her. Späterdie gleichen Häuser von innen, von den Höfen her, noch späterauch von der Ackerstraße, mit dem sonst kaum je gemaltenBlick auf die Ställe und Stadeln. Und das also ebenso im stillenWaldviertel wie am Riederberg, dann wieder in St. Margarethenoder in Trausdorf, und dann ganz besonders und viele Jahre langin Schlaining. Und ab und zu bleibt eine alte Frau, ein alter bäu-erlicher Mann sitzen, die Männer drinnen und draußen immermit dem Hut auf dem Kopf, oft noch mit dem blauen Schurz, dem,, Fiata", um den Leib, und sie lassen den still- fröhlichen Malermit dem scharfen Blick einfach arbeiten. Und der baut aus Far-ben, aus kräftigen, nach Erde schmeckenden Farben die bröcke-ligen Wände der Häuser auf, gestaltet aus Farben die oft beina-he farblosen Alltagsgewänder der alten Bäuerinnen, der zaun-dürren Kroatinnen aus Trausdorf ebenso wie die der behäbigdicken Wirtschafterinnen aus der Gegend von Horn, und alle dieeinfachen Menschen von Schlaining, das offenbar längst nichtmehr das Städtchen des Ritters Andreas Baumkircher ist, son-dern eine Bauern- und Handwerkersiedlung, mit ihren unpatheti-schen Menschen. Gestaltet ohne erkennbare graphische Vor-zeichnung die Köpfe dieser Menschen, die Gesichter der altge-wordenen Eheleute in ihrer kargen Küche etwa, oder den einsa-men Wirtshausgeher, manchmal auch den vergnügten uraltenVeteranen, der da noch einmal die k.k. Uniform tragen darf; deralte grüne Federbusch des Tschakos versinkt schon im dunklenHintergrund. Oder aber, geradezu als Gegenstück, den Schlai-ninger Grundtrummler, den„ Kleinrichter", der die örtlichenNachrichten ausruft. Und alle diese guten namenlosen Men-schen leuchten immer wieder aus diesen Farbkompositionen,diesen so kräftig hingesetzten Pinselstrichfolge heraus. ViktorLederer liebt diese Häuser, diese Menschen, diesen anonymenAlltag hier im Lande, und seine Bilder werden immer mehr zuDenkmälern dieser Liebe.
Wirkl. Hofrat i.R. Univ. ProfessorDR. LEOPOLD SCHMIDT †( 1955-1977 Direktor desÖsterreichischen Museumsfür Volkskunde)
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