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Dorfbilder aus dem Burgenland und aus Niederösterreich : Sonderausstellung ; Katalog
Entstehung
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Viktor Lederer

geboren 1935 in Wien, ist akademischer Maler und Mitglied desWiener Künstlerhauses. Seit 1974 arbeitet er im Juli und Augustin einem Sommeratelier in Stadtschlaining.

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Lederer malte zunächst Dorfbilder und Menschen aus Nieder-Österreich( Waldviertel und Riederberg) und dem nördlichen Bur-genland( Trausdorf und St. Margarethen). Seit Mitte der 70- erJahre sucht er Motive in Schlaining und seiner näheren Umge-bung. Durch die geschickte Auswahl der Objekte alte, ländli-che Häuser, Wohnbauten in Kleinstädten, von der Straßenseiteoder von innen gesehen- gelang es Lederer, ein Stück lebendi-ge Geschichte einzufangen. Die verschiedenen Bauelementeder Häuser von der Gotik bis zur Gegenwart werden in seinenBildern freigelegt. Diese widerspiegeln aber auch die wirtschaft-liche Entwicklung dieses Raumes, alte Bauernhäuser nebenlängst aufgelassenen Gewerbebetrieben und Wirtschaftsgebäu-den. Diese Häuser sind mit kräftigen Farben gemalt und einigebereits dem Verfall preisgegeben, manchmal ist der Verputzschon abgefallen.

In den letzten Jahren hat sich Viktor Lederer vorwiegend der Por-traitmalerei zugewandt. Vom Standpunkt des Sozial- und Wirt-schaftshistorikers gesehen sind seine Bilder eine ausgezeich-nete Wiedergabe der burgenländischen Sozialgeschichte des20. Jahrhunderts. Der Künstler zeigt ehemalige Bergarbeiter derschon längst geschlossenen Kohlengrube Tauchen oder vomAntimonwerk in Schlaining, Bauern und Handwerker in Arbeits-kleidung, Angestellte und Beamte wie zum Beispiel den, Klein-richter" mit seiner Trommel, wie er die Nachrichten ausruft, so-wie die Honoratioren der Siedlungen, angefangen vom Arzt,Pfarrer, Bürgermeister, Gemeindesekretär, Gendarm etc.,manchmal in Uniform, ein anderes Mal in Festtagskleidung. Imallgemeinen sind Lederers Modelle schlicht und einfach geklei-det, Leute in Arbeitskleidung mit dem blauen ,, Fiata, einem Hutoder einer Kappe als Kopfbedeckung, die Frauen meist mit demKopftuch. Die Personen sind aus dem Alltagsleben herausge-griffen und werden so dargestellt, wie sie leben. Die Gewändersind keine Trachten, sondern beinahe farblose Alltagskleidung.Er malt Einzel- und Gruppenportraits, Ensembles wie zum Bei-spiel Eheleute, Kindergruppen, Großväter mit Enkelinnen usw.Markante Merkmale seiner Gemälde sind Gesichter der unbe-

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