Es ist eine feierliche Welt, eine Welt, die mit den öffentlichen Anläs-sen, mit Kriegen und Friedensschlüssen zusammenhängt. Man hat sich ihrenSinnbildern nicht entzogen, aber die seiner eigenen kleineren Welt danebennicht vergessen. Man feiert seine Feste, etwa mit dem bildhaften Glück-wunsch( 89), vielleicht auch Neujahr mit dem sinnbildlichen Rauchfang-kehrer 63, der freilich auch bei den erotischen Symbolen auftreten kann. Indiesen Bereich gehört die engere Umwelt, das Haustier. Man kennt da mit-unter den Hund( 90 R), und nicht wenige Vögel, darunter sogar den Papa-gei( 92). Da der Model mit dem Papagei aus den Jahren um 1800 stammt,könnte man auch bei ihm wieder an einen Zusammenhang mit dem Theaterdenken. Sang man doch gerade damals allenthalben die Arie ,, Bei großenund mächtigen Herren/ Möcht ich wohl ein Papagei sei" aus der 1795 ent-standenen Oper„ Der Königssohn aus Ithaka" von Emmanuel Schikane-der 63a.
Man weiß aber auch vom Hahnenkampf( 90), der beispielsweisein den Erbfolgekriegen auch politisches Sinnbild für den Kampf mit Frank-reich sein konnte 64. Von wilden Tieren kennt man außer dem Hirsch ge-legentlich den Hasen( 91), der aber auch als Kinderbringer verstanden wor-den sein kann 65, und das Eichhörnchen( 93 A). In diese Welt paẞt auchdas öfter vorkommende Posthorn( 94, 103 R).
Von kriegerischer Musik war der Trommelschläger zu erwähnen. Sol-daten, Berittene, fehlen in der Sammlung nicht. An Reitern gibt es nichtnur Herrscher, sondern auch Offiziere( 95), und immer wieder den ge-meinen Reiter, den Husaren vor allem( 39, 96). Die im 18. Jahrhundertganz besonders beliebten Reiter haben sich lang gehalten, sie sind geradezusprichwörtlich als ,, lebzeltene Reiter" geworden 66. Mitunter ließ man auchden berittenen Feind, den Türken auftreten. Aber Türkenmotive waren inder Volkskunst des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten. Es gab nicht nurTürkenköpfe über den Brunnen und an den Wagnersäulen, sondern aucham Arbeitsgerät, an Hobelgriffen beispielsweise 67. So erscheinen sie in der
63 Leopold Schmidt, Untersuchungen zum St. Pöltner Krippenspiel( Unsere Heimat, Bd. VI, Wien 1933, S. 324).
63a Richard Smekal, Altwiener Theaterlieder. Vom Hanswurst bisNestroy. Wien 1920. S. 40 f.
64 Leopold Schmidt, Historische Volkslieder aus Österreich vom 15. biszum 19. Jahrhundert(= Wiener Neudrucke Bd. 1). Wien 1971. S. 174 f.
65 Karl von Spieß, Marksteine der Volkskunst Bd. 1(= Jahrbuch fürhistorische Volkskunde Bd. V/ VI). Berlin 1937. S. 243 ff.
66 Walzer, Liebeskutsche, S. 101 ff.- Fiala- Wagner, Volkskunstin Salzburg, Abb. 152/2( Model von Anton Stadler, Hallein). Arthur Haber-landt, Volkskunde des Burgenlandes, S. 64, Nr. 12( Husar mit Kanone).
67 Felix Günther, Tattermann und Brunnentürke( Wiener Zeitschrift fürVolkskunde, Bd. XLVI, 1941, S. 1 ff.).
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