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Ausstellung Lebzeltenmodel aus Österreich : Katalog
Entstehung
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und gute Verbindung der Welt des Theaters mit der der Lebzelter undihrer Kundschaft 59.

Diesen Gestalten stehen die biederen Darstellungen in Scherz undErnst aus dem Zunftleben gegenüber. Die Zünftler ließen sich gern dar-stellen, auch mit ihren volksbekannten Spottsymbolen. So reitet derSchneider mit erhobener Schere auf dem Ziegenbock( 82, 83) 60. Die Schereallein, das auf den Zunftschildern der Schneider so gern verwendete Gerät,tritt auch auf, manchmal mit dem Fingerhut zwischen den Klingen-spitzen( 84). Auch das ehrsame Handwerk der Faßbinder findet sich aufden Lebzelten vertreten( 85) 61. Das sind Gestalten, die schon zum Heraldi-schen hinüberführen. Und in der Tat, das Wappenwesen hat im Lebzeltenkräftig nachgewirkt. Man hat selbstverständlich den kaiserlichen Doppel-adler im Gebäck dargestellt( 87, 88), und mitunter lassen Monogramme undJahrzahlen erkennen, unter welchem Kaiser man sich als vom Doppeladlerbeschirmt vorstellte. Das galt vor allem für Josef II.( 87). Auch sonstlassen sich Hinweise auf die Habsburgerkaiser erkennen. So ist der Reiter( 21) auf einem stattlichen Model des frühen 18. Jahrhunderts wohl Josef I.Und auf der Kartusche eines Husaren( 39 A) läßt sich aus dem Monogrammerkennen, daß er unter Kaiser Franz II. gedient hat, solange dieser ebennoch Römischer Kaiser war, also bis 1806.

Die Doppeladler gelten für das ganze Reich, und wurden wie dieWirtshausschilder Zum schwarzen Adler" wohl auch überall von denLebzeltern verwendet 62. Auch einzelne Landeswappen finden sich abermitunter, so gelegentlich ein sehr gut ausgeführter Tiroler Adler mit demEhrenkränzlein( 100), bemerkenswerterweise mit einer Friedenstaube aufdem Revers. Und auch der Steirische Panther( 86) ist einmal deutlich zu er-kennen. Zunftwappen fehlen auch nicht, so gelegentlich das Bäckerwappenmit Zeilenlaibchen und Doppelbrezel( 8 R). Zu den Wappen wird manauch noch die Kronen rechnen dürfen, die man mitunter ihrer Eigenartnach genau erkennen kann( 11 R).

59 Otto Rommel, Die Alt- Wiener Volkskomödie. Ihre Geschichte vombarocken Welttheater bis zum Tode Nestroys. Wien 1952. S. 518 f. Dazu dieAbb. 96 ff.

60 Barbara Salditt, Der Schneider und die Geiß im Volksmunde bis zum17. Jahrhundert( Hessische Blätter für Volkskunde, Bd. XXX- XXXI, Gießen1932, S. 88 ff.).

61 Helene Grünn, Faßbinder/ Faßboden. Handwerk und Kunst(= Nieder-österreichische Volkskunde Bd. 3). Wien 1968.

62 Leopold Schmidt, Adler- Motive in der Volkskunst( ÖsterreichischeHochschulzeitung, Bd. 17, Nr. 8, Wien, 15. April 1965, S. 8). Johannes EnnoKorn, Adler und Doppeladler. Ein Zeichen im Wandel der Geschichte. Göttin-gen 1969.

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