zelten zu sehen. Die Kaiser, die Könige, die Erzherzoge, aber auch weitweniger ansehnliche, ja berüchtigte Figuren konnten hier verbildlicht wer-den. Das ging im 19. Jahrhundert bis zum Bayerischen Hiasl. Für sie allemuß es graphische Vorlagen gegeben haben, die von den Modelstechern be-nützt werden konnten. Und ähnlich wie bei der Möbelmalerei kennen wirwohl die vollendeten Volkskunstwerke selbst, kaum aber diese ihre Vor-lagen. Es ist selten genug, daß sich ein annähernd motivgleicher Holz-schnitt oder Kupferstich vorlegen läßt. Die aus gutem harten Holz ge-schnitzten Lebzeltenmodel waren freilich auch bedeutend lebenskräftigerals die bald zerschlissenen, zerlesenen kleinen Gelegenheitsdrucke. So be-trachtet, stellt der alte Lebzeltenmodel also auch ein Glied in der langenKette der ,, Masseninformationsmittel" dar.
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Eine kurze Aufgliederung der ausgestellten Lebzeltenmodel in derFolge der Motive und Motivgruppen soll die Zusammenordnung der Einzel-heiten erleichtern.
Zunächst die Motive aus der geistlichen, der biblischen, der kirch-lichen Überlieferung. Sie beginnen wie billig mit dem Anfang der Men-schenheitsgeschichte, mit Adam und Eva 3. Der mit 1639 datierte Model( 5)aus Steyr zeigt kennzeichnenderweise auf der Reversseite die Verkündigungan Maria. Verwandte Model mit dem Stammelternpaar sind im 17. und18. Jahrhundert recht häufig, sie wurden offenbar zur Hochzeit ge-schenkt 4. Die Verkündigung dagegen( 5 R) deutet auf den Advent, auf daskommende Weihnachtsfest hin. Der Advent mit seinen Rorate- Messen hatteeine größere Bedeutung als heute, wie vor allem die vielen Adventliederbeweisen 5. Auf Modeln wird das Motiv bereits im 15. Jahrhundert darge-stellt, und dann wieder in Barock und Rokoko 6. Die Lebzelten mit Weih-nachts- und Ostermotiven wurden sicherlich zu diesen Festen verschenkt
8 Lutz Röhrich, Adam und Eva. Das erste Menschenpaar in Volkskunstund Volksdichtung. Stuttgart 1968.- Leopold Schmidt, Seit Adam und Eva.Liebe Hochzeit und Ehe in der österreichischen Volkskunst( Österreichische Zeit-schrift für Volkskunde, Bd. XXV/ 74, 1971, S. 81 ff.).- Karl von Spieß,Grundlinien( Jahrbuch für' historische Volkskunde, Bd. III/ IV, Abb. 57).
4 Arthur Haberlandt, Volkskunde des Burgenlandes. Hauskultur undVolkskunst(= Österreichische Kunsttopographie, Bd. XXVI). Baden bei Wien1935. Abb. 49.
5 Wilhelm Pailler, Weihnachtslieder und Krippenspiele aus Oberösterreichund Tirol. Bd. I. Weihnachtslieder aus Oberösterreich. Innsbruck 1881. S. 3 ff.M. Daniele Dörflinger, Das barocke Roratespiel. Ein Beitrag zur Geschichteliturgischer Spiele( Literaturwissenschaftliches Jahrbuch der Görres- Gesellschaft,Neue Folge Bd. 5, Berlin 1964, S. 13 ff.).
6 Fritz Arens, Die ursprüngliche Verwendung gotischer Stein- und Ton-model( Mainzer Zeitschrift Bd. 66, 1971, Taf. 38/47, Taf. 48/83). MichaelHaberlandt, Österreichische Volkskunst, Bd. II, Taf. 87/8.
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