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Ausstellung Lebzeltenmodel aus Österreich : Katalog
Entstehung
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die der meisten innerlich verwandten Gruppen jener breiten traditionellenKunstgewerbeformen, die man zusammen als Volkskunst bezeichnet.

Die hier vorliegende Auswahl versucht diesen Weg einigermaßen nach-zuzeichnen. Proben aus allen diesen fünf Jahrhunderten sind vorhanden,auch wenn die Zeugnisse für das 18. Jahrhundert bei weitem überwiegen.Das ist aber bei den Möbeln oder bei den Hausgeräten, ja auch bei derKeramik und bei vielen anderen Gruppen der alten Volkskunst genauso:Das Spätmittelalter läßt sich nur in Andeutungen zeigen, das 16. Jahrhun-dert ist kaum bezeugt, ab der Gegenreformation setzen die Sachbelege instärkerem Ausmaß ein. Dann folgt das blühende Barock, mit seinen vielenBelegen zwischen den Türkenkriegen und der Napoleonischen Zeit. Klassi-zismus und Biedermeier sind nur mehr in wenigen Belegen faßbar, und fürdie letzten Ausläufer reichen die Belege gerade noch hin, um das Ende derganzen Gattung im industriellen Zeitalter feststellen zu können.

Was den Gehalt dieser Bildgebäcke betrifft, so gibt die Auswahl frei-lich mehr her. Es wird an ihr deutlich, daß die Bezirke des religiösen Volks-glaubens und der weltlichen historischen Macht wohl von Bedeutung waren.Daß aber das fröhliche Geschehen um Liebe und Ehe, um Fruchtbarkeit,Kindersegen, Ehespott bei weitem im Mittelpunkt stehen. Die geistlichenSegnungen mit Maria, der heiligen Mutter, mit ihrem göttlichen Kind,stehen gewissermaßen als himmlische Gleichstücke voran. Die weltliche Lustmit ihren vielen sinnbildlichen Hinweisen, mit ihren oft ganz unverblümtenBildern begleitet die sozusagen offiziellen Bildgebäckgaben zur Verlobung,zur Hochzeit, zur Taufe. Daneben tänzelt der Spott, mit schalkhaften Hin-weisen auf den gefährdeten Ehefrieden, auf den Stand des Mannes, der einSchneider, ein Faßbinder sein kann, und dementsprechend seine Gebild-gebäcke bekommt. Es fehlen nicht die Bildgebäcke aus den Bereichen derMusik, freilich auch mit oft sehr alten Spottmotiven versehen, es mangeltnicht an Figuren, die mit dem Theater zu tun haben. Man glaubt manchmalüberhaupt hinter den Scherzfiguren und ihren Instrumenten Hanswurst undseine Gesellen zu verspüren. Das reicht bis zur volkstümlichen Oper:Selbst der Papageno aus der Zauberflöte" stellt sich ein 2.

Die Gestalten des Theaters, der Oper besagen aber noch zusätzlich, wieaktuell die alte Lebzelterei sein konnte. In der Zeit vor der Zeitung, vorder Photographie, vermittelten nicht nur Flugblattdrucke und Bilderbogendie neuesten Geschehnisse. Die Kriege und Siege wurden nicht nur inHistorischen Volksliedern besungen, man bekam ihre Figuren auch im Leb-

2 Hans Jürgen Hansen( Hg.), Kunstgeschichte des Backwerks. Oldenburg/Hamburg 1963. S. 43 ff.

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