Die Model wurden und werden also im wesentlichen von ihrem Bild-gehalt her verwendet. Sicherlich handelt es sich dabei nicht um die einzigeMöglichkeit, sich mit den Modeln zu beschäftigen. Michael Haberlandt hatschon in seiner„ Österreichischen Volkskunst" 1911 auch auf die durchSignaturen ausgewiesenen Lebzelter und Modelstecher aufmerksam ge-macht. Alfred Walcher von Molthein hat zur geschichtlichen Vertiefungunserer Kenntnisse auf diesem Gebiet wesentlich beigetragen; weitere Arbei-ten von Wilhelm Bode, heute vor allem von Fritz Arens, sind auf diesemWeg gefolgt.
Aber der handwerksgeschichtliche Zweig der Forschung ist Jahrzehntehindurch für Österreich nicht bezeichnend gewesen. Hier hat eine mytholo-gisch angereicherte Volkskunstforschung vielmehr Wege zur gehaltlichenErschließung der Model gesucht. Karl von Spieß, der an sich dem hand-werklich verwendeten Model als einem Gegenstand der Stadtkunst miẞ-trauisch gegenüberstand, hat im Lauf seiner Forschungen doch auch imBilderschatz dieser Gruppe Züge entdeckt, die seiner Sinndeutung zu ent-sprechen schienen. Die anregenden Wirkungen, nicht zuletzt auf Laien-forscher, waren groß. Für eine vertiefte ikonographische Forschung bedeu-ten heute seine Arbeiten eigentlich nur mehr Anregungen.
Die Hinwendung zur Handwerksgeschichte hat in den letzten Jahrendie älteren Forschungswege vergrasen lassen. Wenn man sieht, mit welchemEifer man sich gelegentlich der Erschließung der archivalischen Daten überdie Lebzelter gewidmet hat, muß man den Eindruck haben, als wäre dieganze ältere Inhaltsforschung belanglos geworden. Sicherlich hat die Hand-werksgeschichte so manche Seiten der vorliegenden Probleme in einemneuen Licht gezeigt. Man kann, wie Gustav Gugitz das getan hat, die Datender Wiener Lebzelter zusammenstellen. Verdienstvoll hat Adolf Mais dieniederösterreichischen Lebzelter, mit ihren Meisterlisten und Meisterwande-rungen behandelt. Ähnlich genau ist Gilbert Trathnigg für Wels vorgegan-gen, der aber doch auch die signierten Model selbst zur Verdeutlichung dervon ihm gefundenen Meisterdaten heranziehen konnte. Sehr genau und um-fassend hat Sepp Walter für die Steiermark gearbeitet, und wiederum dieModel nach Möglichkeit den von ihm gefundenen Meistern zugeordnet.
Man darf diese Forschungsrichtung nicht ohne Hinblick auf die neuenSammlungen anschauen, die im Lande entstanden sind. Schon Trathniggkonnte sich auf die Arbeiten von Ernst Burgstaller stützen, der seine großeGebildbrotsammlung dem Museum der Stadt Wels überließ. Und KarlHaiding hat auf Schloß Trautenfels im Ennstal ein eigenes Heimatmuseumaufgebaut, das sich auch mit der Bienenzucht in diesem Gebiet und mitdem dort bodenständigen Lebzelterhandwerk beschäftigen konnte. Ähnlichhat Helmut Prasch dann in Spittal an der Drau in dem von ihm geschaffe-nen Bezirksheimatmuseum Bienenzucht und Lebzelterhandwerk, einschlieẞ-lich der Wachszieherei, gesammelt und zur Darstellung gebracht.
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