um die Sammlung des Grafen Lamberg in Steyr. Unter den vielen von ihmgesammelten Volkskunstobjekten, die 1912 nach Wien kamen, befandensich nicht wenige Model, und unter diesen wieder viele, die signiert sindund sich dadurch als Besitz von in Steyr ansässigen Lebzeltern nachweisenlassen. Ähnlich steht es bei den Objekten, die der hochverdiente SammlerAlfred Walcher von Molthein 1916 dem Museum übergab. Auch in seinerKollektion waren vor allem oberösterreichische Model enthalten. Aus Salz-burg aber kam 1913 die bedeutende Modelsammlung direkt aus der Leb-zelterei Stenzel nach Wien.
Der auf diese Weise entstandene Modelbestand wurde zwischendurchund nachher durch Ankäufe aus dem Antiquitätenhandel, aus dem Doro-theum und von Privaten ergänzt. Es war vor allem der Anfall der Samm-lung Joseph Salzer, der das Museum um seine ältesten Model bereicherte.Auf diese Weise enstand allmählich eine Sammlung von etwa 350 Leb-zeltermodeln, zu denen zwischendurch auch noch einige Kollektionen vonWachsvotivmodeln kamen. Beide Gruppen stammen von den gleichenHandwerkern, von den Lebzeltern, die gleichzeitig Wachszieher waren. Sieunterscheiden sich grundlegend voneinander dadurch, daß der Lebzelten-model immer einseitig ist, durch die Ausformung in ihm entsteht ein Teig-relief, wogegen der Wachsvotivmodel immer zweiseitig, zweiteilig ist, daaus den zusammengehaltenen beiden Teilen eine plastische Figur gegossenwird. Aber man sieht an der Schnitzerei der beiden Gruppen, daß die glei-chen Handwerker sie gestaltet haben, und es waren auch die gleichenMenschen, welche beide Gegenstandsgruppen verwendeten: Die Lebzeltenerwarb man zu den Festen des Lebens, in fröhlicher Absicht, die Wachs-votive dagegen mußte man kaufen, wenn man bei einer WallfahrtBitte und Dank in den Fällen von Krankheit und Unglück auszudrückenbeabsichtigte. Beides vollzog sich in einer Sphäre der Bildersprache: Dasvorgeprägte Bild sagte dem Mitmenschen, was man ihm wünschen wollte,das wachsgegossene dem Heiligen, wie man ihn an den irdischen Kummerzu erinnern versuchte. Das alles nahezu schriftlos, denn weder der Leb-zelten kennt viel Beschriftung, noch das Wachsvotiv.
Das alles war also an den vom Museum gesammelten Gegenständenlängst abzulesen. Freilich gab es nicht viele Möglichkeiten dafür, die Schau-räume im Museum selbst waren immer eng, zu Sonderausstellungen kam esfast nie. Erst in den letzten Jahren wurden sowohl Lebzeltenmodel wieWachsvotivmodel auch für Ausstellungen herangezogen bzw. in Dauerauf-stellungen eingegliedert. So hat die neue Abteilung ,, Seit Adam und Eva"einige wichtige Lebzeltenmodel mit Hochzeitspaar- Darstellungen aufzuwei-sen, und auch die Säle mit den Volksmusikinstrumenten und mit den Gegen-ständen des Volksschauspieles zeigen einige Model und deren Abformungen,um die beträchtlichen Auswirkungen von Musik und Theater gerade aufdem Gebiet des Lebzeltens zu verdeutlichen.
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