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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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suchung der deutsch- siebenbürgischen Volkskultur würde man noch andereKulturelemente namhaft machen können, die wohl auch auf eine derartigeÜbertragung im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation zurück-gehen dürften.

Von anderem Schaubrauch aus alter Zeit sei hier nur auf das Fahnen-schwingen hingewiesen, das an sich schon im 15. Jahrhundert in Eger be-zeugt ist, aber später immer wieder aufgenommen werden konnte, weil essich nicht konfessionell profilierte. In Eger selbst wurde der Zunftbrauchgelegentlich wiederbelebt und galt dann als örtliche Besonderheit 105. Daswohl auch dem 16. Jahrhundert angehörende Sommer- und Winterspiel istvermutlich mehr durch wandernde Spielträger vorgeführt worden als durcheinheimische 106. Alle diese Schichten wurden im Barock zeitweilig durchgeistliche Formen zurückgedrängt. Eine Sonderform davon, Sonderformauch des Weihnachtsspieles, das Krippenspiel", hat in Eger selbst einespezielle Ausgestaltung erfahren. Wie sonst in Wien, in St. Pölten oder inSteyr gespielt wurde, von einem einzelnen Puppenspieler mit seinen span-nenlangen Figuren, so wurde in Eger von Andreas Schubert jahrzehntelanggespielt, und sein Text mit seinen Melodien hat sich erfreulicherweise er-halten 107.

Es gab also im 17. und 18. Jahrhundert eine Art kultureller Zwei-schichtigkeit, und es scheinen Gruppen der Volkskunst aus der eher prote-stantisch eingestellten Frühneuzeit weitergelebt zu haben, wie anderseitsGruppen einer gegenreformatorischen, volksbarock angereicherten Volks-kunst sich doch auch recht stattlich entfalteten. Zieht man nicht nur diegeographische und die historische Betrachtungsweise heran, sondern aucheine soziologische, so wird man sich den Gestaltern, den Trägern all dieserverschiedenen Gruppen der Volkskunst zuwenden müssen. Es haben sich jadie vermöglichen Bauern auf ihren Vierseithöfen weder ihre Trachten nochihren Schmuck selbst gemacht, sie haben sich selbstverständlich ihre Möbelnicht selbst bemalt, und auch Spezialitäten wie das Gnatwirk", die ge-stickten Hemdärmelbesätze, sind von fleißigen kleinen Leuten, von Heim-werkerinnen gearbeitet worden 108. Namen und Lebensumstände solcher105 Alois John, Festschrift anläßlich des Fahnenschwingens der Fleischer-zunft in Eger am 3. September 1901, Eger 1901.

106 Alois John, Sitte, Brauch und Volksglaube im deutschen Westböhmen(= Beiträge zur deutsch- böhmischen Volkskunde, Bd. VI), Prag 1905. S. 56 f.107 Alois John, Das Weihnachtsspiel von Andreas Schubert( Unser Eger-land, Bd. XVI, 1912, XVII, 1913, XVIII, 1914, XIX, 1915).

Karl Schubert, Neue Forschungsergebnisse zum Krippentheater desAndreas Schubert in Eger( Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde, Bd. 12, 1969,S. 146 ff.).

Karl Schubert, Das Liedgut des Alt- Egerer Krippentheaters( Jahrbuchfür ostdeutsche Volkskunde, Bd. 15, 1972, S. 132 ff.).

108 Das in verschiedenen mundartlichen Formen aufgenommene, Gnatwirk"gehört zu mittelhochdeutsch genaete", die Stickerei. Vgl. Matthias Lexer, Mit-telhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. I, Leipzig 1872, Sp. 854.

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