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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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Einleitung

VOLKSKUNDLICHE SAMMLUNG UND FORSCHUNGIM EGERLAND

Die Anteilnahme an der frühen Volkskunde im Egerland, als es dasFach noch nicht gab und sein Name nur ganz sporadisch verwendet wurde,diese Anteilnahme stand unter einem guten Stern. Es war das mächtige Ge-stirn des Dichters Johann Wolfgang von Goethe, der durch seine wiederhol-ten Reisen in die böhmischen Bäder Eger und das Egerland kennenlernte,und bald mit Männern in Berührung kam, die gewissermaßen für ihn sam-melten und beobachteten, und durch ihn auf eine höhere Stufe als die derrein lokalen Aufzeichnung gehoben wurden ¹.

Das alles hat sich nicht auf einmal und willkürlich vollzogen, sondernstellt einen Teil der Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde dar, die wir fürden Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, man kann auch sagen von derAufklärung zur Romantik, besonders gut kennen und zu beurteilen wissen 2.Die Anteilnahme an den sozusagen anonymen Volksschichten hatte im18. Jahrhundert stark zugenommen. Englische und französische Anregungendrängten dazu, daß verwandte Sammlungen auch in deutschen Landendurchgeführt wurden. Bahnbrechend waren die Volkslieder", die JohannGottfried Herder 1777/1778 herausgab, eine eigentlich sehr internationaleingestellte Sammlung, die erst durch ihre Neuausgabe als Stimmen derVölker in Liedern" ganz zur Wirkung kam 3. Diese Bestrebungen des späten18. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Volksliedes waren von vielen ähn-lichen Bemühungen begleitet, von denen die Aufzeichnungen und Veröffent-lichungen auf den Gebieten des Märchens und der Sage besonders zu nennensind. Die Volksmärchen der Deutschen"( 5 Bände 1782-1786) von KarlGottlieb August Musäus wirkten trotz ihrer aufklärerischen Einstellung

Alois John, Goethe und die Volkskunde( Unser Egerland, Bd. III,1899, S. 61 ff.).

Gustav Jung bauer, Goethe und die deutsche Volkskunde in Böhmen( Sudetendeutsche Zeitschrift für Volkskunde, Bd. V, 1932, S. 1 ff.).

2 Arthur Haberlandt, Die deutsche Volkskunde. Eine Grundlegungnach Geschichte und Methode im Rahmen der Geisteswissenschaften(= VolkBd. 1) Halle 1935. S. 34 ff.

3 Julian von Pulikowsky, Geschichte des Begriffes Volkslied im musi-kalischen Schrifttum. Ein Stück deutscher Geistesgeschichte. Heidelberg 1933.

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