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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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Vorwort

Das Österreichische Museum für Volkskunde besitzt unter seinen vielenverborgenen Schätzen auch den besonders wertvollen Bestand einer beacht-lichen Sammlung alter Volkskunst aus dem Egerland. Ein Museum, das vonseinen vielen und vielfältigen Beständen immer nur Teile zur Schau stellenkann, das auch in seinen Außenstellen stets nur besonders ausgewählteSammlungen zu präsentieren imstande ist, um ein gewisses Gleichgewicht inSchausammlung und Studiersammlungen zu halten, um Übersicht und Ord-nung zu bewahren, kann auch einen derart wertvollen Bestand, der gewis-sermaßen mit der Geschichte des Museums mitgewachsen ist, nur einmal inJahren darbieten. Es benützt die Gelegenheit, um den gesamten Bestand vonObjekten aus dem Egerland neu durchzuinventarisieren, vieles neu zuphotographieren, um künftigen Generationen von Museumspflegern dieNacharbeit zu erleichtern.

Der Einblick, der sich bei einer derartigen Durchbearbeitung ergibt,ist groß und aufschlußreich. Man lernt noch einmal die Geschichte desSammelns an diesem Museum kennen, das mühsame Ankaufen oft überweite Distanzen hin, den Zuwachs durch freundliche Stifter, unter denensich mancher bekannte Name befindet. Es schlägt sich da so manche Seiteder altösterreicischen Kultur- und Geistesgeschichte auf, vom SchriftstellerJosef August Lux etwa bis zum Maler Remigius Geyling, und dazwischenhervorragende Sammler wie die Brüder Stephan und Konrad Mautner.Und zwischendurch wird immer der Einfluß der Sammler und Bearbeiter imEgerland spürbar, vor allem der von Alois John selbst, der die Volkskundeund Kulturgeschichte des Egerlandes im Geiste Goethes zu erarbeiten über-nommen hatte,

Am Anfang stand keinerlei Erkenntnis der besonderen Verhältnisse derVolkskunst im Egerland. Zu Ende des 19. Jahrhunderts konnte man sichvon einer historisch gewordenen Volkskunst in einer alten Landschaft kaumirgendeine Vorstellung machen. Nach etwa drei Generationen der Samm-lung und Forschung waren die Umrisse eines alten traditionellen Bestandeseinigermaßen hervorgetreten. Man kannte nunmehr das alte Bauernhaus,kannte die immer sehr bezeichnende Keramik, kannte die Tracht, zu der esnicht nur viele Einzelstücke, sondern auch manche Bildzeugnisse anzukau-fen galt. Man konnte Besonderheiten der Landschaft in Zeugnissen erwer-ben, vor allem Gegenstände der volkstümlichen Bildindustrie", der locke-ren figuralen Malerei auf Patenbriefen wie auf Hochzeitszugdarstellungen,

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