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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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deutschen Nachbarlandschaften. Da findet sich beispielsweise in Thüringendas ,, Mützenstückchen" oder, Mützenläppchen", ein kleines reich besticktesStück Leinen mit ornamental vereinfachten pflanzlichen Darstellungen,beispielsweise Dreisproßen 80. Sie wurden, was auch wieder bezeichnendist, berufsmäßig hergestellt, angeblich sogar in Fabriken, besonders die aufGold- und Silberbrokat gestickten. Davon suchten sich die Bäuerinnen anden Markttagen ihren Bedarf nach Geschmack aus. Ein weiteres Gegenstückfindet sich in Hessen, nämlich bei den ,, Tanzecken" in der Schwalm. Dieserkleine bunte Besatz der Schürzenecken war eine teure, beinahe möchte mansagen luxuriöse Trachtenbeigabe 81. Die Sammlungen haben auch davon, wievon den Egerländer ,, Mudln", so manches Stück bewahrt, wogegen diedazugehörigen Schürzen meist verlorengegangen sind. Für Interpretationenwie jene von Karl von Spieß mögen die aufbewahrten schön gestickten Ein-zelstückchen genug gewesen sein. Für eine umfassendere Auffassung sind siezu wenig, und deuten eigentlich nur darauf hin, wie sich die Sammlungenalter Art zu behelfen versucht haben.

Diesen reichen, aber doch recht wortlosen Gebieten stehen die Gruppender Papiervolkskunst gegenüber, die für das Egerland auch sehr bezeich-nend waren. Kaum eine Sammlung, die nicht einen mit Deckfarben aufdem geweißten Papier gemalten Brautzug besitzen würde, Darstellungen,die einen Zustand des Brauches festhalten, der im späten 18. Jahrhundertnoch Wirklichkeit gewesen sein mag 82. Die mit kunsthandwerklichenSigeln arbeitende Papiermalerei hat sich infolge des Bedarfes an gemaltenPatenbriefen lang erhalten, die offenbar im 18. und frühen 19. Jahrhundertvon kirchlicher Seite her gefördert wurden 83. Stellen die Brautzüge eineArt von weiterlebendem Rokoko dar, so muten die Patenbriefe fast durch-wegs klassizistisch an, was mit anderen Volkskunstzügen der Landschaft,beispielsweise der Möbelmalerei, weitgehend übereinstimmt. Der Einflußeiner aufgeklärten Geistlichkeit auf diese Dinge mag auch dadurch unter-strichen erscheinen, daß es ein Geistlicher war, der die Vorlagen für diespäterhin so vielfach verfertigten Federbilder" schuf und zur Verfügungstellte 84. Ein gewisser Teil dieser kleinen Volkskunstwerke, von den Hoch-

80 Luise Gerbing, Die Thüringer Trachten in Wort und Bild dargestelltund erläutert. Erfurt 1925. Abb. 11 und Taf. 7, Abb. 2( farbig). Dazu Text S. 49.81 Rotraut Sutter, Tracht( in: Lebendiges Gestern. Erwerbungen von1959 bis 1974 des Museums für deutsche Volkskunde. Berlin 1975. S. 121 ff., undAbb. 24-27 auf S. 125).

82 Hans Schukowitz, Plunderwagenpoesie( Zeitschrift für österreichi-sche Volkskunde, Bd. IV, 1899, S. 153 ff.).

83 Michael Haberlandt, Egerländer Patenbriefe( Werke der Volks-kunst, Bd. III, Wien 1917, S. 17 ff.).

84 Heinrich Grad1, Die Federbilder in Eger( Mitteilungen des Vereinsfür Geschichte der Deutschen in Böhmen, Bd. V, 1867, S. 207).

Alois John, Die Federbilder. Ein erloschener Zweig Egerländer Volks-

kunst( Werke der Volkskunst, Bd. III, Wien 1917, S. 7 ff.).

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