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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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einem gewissen Standesbewußtsein getragene große Hosenknopf, der ge-legentlich ,, Huas'n- oa( n)-thou- tra" genannt worden sein soll, muß vonGürtlern gefertigt worden sein 75. Diese metallenen Rosettenknöpfe haben,wie schon die älteren Bildzeugnisse beweisen, offensichtlich einen zeichen-haften Charakter besessen. Daß sie keinerlei religiöse Symbolik aufwiesen,ist wieder bezeichnend. Es mag dies einer der Gründe dafür gewesen sein,daß man allmählich ein Landsmannschaftszeichen daraus machte, ihm denCharakter eines Vereinsabzeichens gab 76. Anders steht es bei dem bemer-kenswertesten und viel gesammelten Stück der weiblichen Tracht, dem,, Nahtgwirk" oder Mudl". Dieser bestickte Hemdärmelbesatz ist in rei-chem Ausmaß gesammelt worden, so daß man sich von seinen Farben undseinen Motiven durchaus ein Bild machen kann 7. Diese Hemdmanschettenwurden zweifellos von den Frauen wirklich getragen. Es waren sicherlichzum Teil Liebesgaben, daher auch die immer wiederkehrenden Sproẞmotive,die einstmals Karl von Spieß bewogen haben, sie in seine Typenreihen des,, Lebensbaumes" aufzunehmen 78. Sie sind im 19. Jahrhundert eine zeitlangeindeutig im Hausgewerbe hergestellt worden, die Frauen konnten sie beiden Stickerinnen auswählen und kaufen. Aber auch die Kurgäste von Fran-zensbad interessierten sich dafür. Schon in der frühesten Beschreibung von1887 wird dies vermerkt und dazu angegeben, daß die schönsten Stickereienvon dem Graveur J. C. Ertl in 30 Blättern gestochen worden seien 79.

Das Sonderkapitel läßt sich nicht mit wenigen Angaben ausschöpfen.Es ist vor allem wichtig darauf hinzuweisen, daß es dabei offenbar um eineBesonderheit trachtlicher Auszier geht, wie sie in anderen Landschaftennicht üblich war. Die Schmückung der an sich schlichten Tracht durch einkleines besonderes Stück ist so auffällig, daß man sich durch einen Rund-blick zu vergewissern sucht, ob und wo sich Verwandtes finden mag. Nichtanders als zur Goethezeit wendet sich der Blick wieder hinaus in die mittel-

75 Rudolf Köhler, Etwas vom Huas'n- oa( n)-thou- tra"( Unser Eger-land, Bd. XXV, 1921, S. 78 f.).

78 Der Egerländer Hosenknopf soll als Abzeichen im Knopfloch zuerst 1872vom ,, Egerländer Landtag" in Prag eingeführt worden sein. Vgl. Adolf Hauf-fen, Einführung in die deutschböhmische Volkskunde, nebst einer Bibliographie.Neuausgabe durch Gustav Jungbauer(= Beiträge zur deutsch- böhmischenVolkskunde Bd. XX), Prag 1931. Nr. 5395.

Zur Weiterentwicklung vgl. Oskar Falb, Schule und Heimatkunst( UnserEgerland, Bd. XLI, 1937, S. 19 ff.).

77 Michael Haberlandt, Einführung in die Volkskunde, mit besondererBerücksichtigung Österreichs. Wien 1924. Abb.( 10).

78 Charles Holme( Hg.), Peasant Art in Austria and Hungary. London1911. S. 243.

Karl Spieß, Bauernkunst, ihre Art und ihr Sinn. Wien 1925. Abb. 98 aufS. 90.

79(-), Egerländer Nähwerk( Mitteilungen des Mährischen Gewerbemu-seums, Bd. V, Nr. 10 vom 31. Oktober 1887).

Wiederholt in: Unser Egerland, Bd. IV, 1900, S. 25 f.

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