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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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Prag berufen, und 1945 lief diese ganze Epoche aus. Diesmal wörtlich,denn im Gegensatz zu 1918 wurde die bodenständige deutsche Bevölkerungzur Gänze vertrieben. Die Mehrzahl gelangte nach Westdeutschland, undnur wenigen glückte es, Erinnerungsstücke an die alte Heimat mitzuneh-men. Es waren nicht selten gute Stücke des Volkskunstbereiches dabei, undsie fanden sich allmählich in einigen Sammlungen in Westdeutschland zu-sammen. Verhältnismäßig umfangreich ist das, Egerlandmuseum" im Hi-storischen Museum der Stadt Regensburg geworden, das vom Bund der,, Eghalanda Gmoin" ins Leben gerufen und 1951 eröffnet wurde 67.

Diese wenigen Hinweise sagen doch vielleicht aus, daß es sich dabeinicht nur um eine, freilich sehr bildkräftige, Seite eines historischen Ereig-nisses gehandelt hat, sondern daß sich in dem Abtun, dem Abstellen derletzten Reste einer einstmals als sehr wichtig angesehenen Volkskunst derWandel des Gesamtverhaltens dazu spiegelt. Die Ansiedlung von solchenSammlungsresten in landschaftsgebundenen Museen, die zwar den Raum,aber auf die Dauer keine Betreuung gewähren können, deutet auch auf dieseArt eines vorläufigen Endes hin. Anders stehen die Dinge, wenn man sievom Standpunkt einer überschauenden, wohl auch einer vergleichendenForschung aus betrachtet. Es war selbstverständlich sehr gut, daß man im19. und frühen 20. Jahrhundert alles sammelte, was hierherzugehörenschien. Aber über diese gewissermaßen positivistische Art des Feststellenseines Bestandes war man doch sonst nicht hinausgelangt. Die Verdichtungder Sammlung und das Veröffentlichen von Bildzeugnissen seit CharlesHolme und Michael Haberlandt schufen allmählich neue Möglichkeiten derBetrachtung. Wenn etwa Holme recht nutzlos das Egerländer Fachwerkmit dem englischen verglich, so boten zahlreiche kleine Einzelbeiträge in dennächsten Jahren Gewißheit, daß man diese Dinge auch anders sehen konnte:Das Egerländer Fachwerk war in seinen besten Stücken von namentlich er-faßbaren Zimmerleuten, und zwar aus der Familie Fischer, geschaffenworden 8. Johann Georg Fischer( 1742-1793), der zumal in Frankenweitgewanderte Zimmermeister, führte eine gewissermaßen schon vorge-gebene Freude an dieser Hausgestaltung zu einer volkskünstlerischen Blüte 60.

Die gut belegte Tätigkeit Fischers weist auf ein viel besprochenesProblem hin: Im Zeitalter des Nationalitätenstreites war man davon über-

67 Oskar von Zaborsky, Volkskundliche Abteilung(= Führer durchdie Sammlungen der Stadt Regensburg, 5), Regensburg 1954. S. 28 ff., Raum 44,dazu Abb. 33.

Franz Prinz zu Sayn- Wittgenstein, Handbuch der BayerischenMuseen und Sammlungen. 2. Aufl. Neubearbeitet von Edgar Harvolk. Regens-burg 1973. S. 206.

88 Rudolf Fischer, Zur Geschichte des Egerländer Fachwerkbaues( Su-detendeutsche Zeitschrift für Volkskunde, Bd. X, 1937, S. 108 f.).

69 Josef Fischer, Aus den hinterlassenen Aufzeichnungen eines altenEgerländer Zimmermeisters. Ein Kulturbild des Egerländer Bauhandwerks im18. Jahrhundert( Unser Egerland, Bd. XIX/ XX, 1915/1916, S. 3 u. ö.).

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