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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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beschaffen können 55. Von der Anzeige im Jahr 1909 an hat MichaelHaberlandt bei Quintus gekauft, es haben sich nicht nur die Stücke, sondernab und zu auch die Rechnungen erhalten. Mit den Erwerbungen bei Quin-tus, auf welche noch Jahre hindurch die bei Robert Lincke folgten, fülltensich die Egerländer Bestände des Museums beachtlich auf.

Freilich, die Zeit drängte. Michael Haberlandt mußte daran denken,das von ihm in nicht viel mehr als einem Jahrzehnt angehäufte Materialeinigermaßen zu verwerten. Der Plan einer Österreichischen Volkskunst",den vor allem der Fürst Johann von und zu Liechtenstein förderte, warschon weit gediehen, als sich Interesse aus dem Ausland anmeldete. Dermit Fingerspitzengefühl begabte Engländer Charles Holme inaugurierte dieSonderbände der Londoner Zeitschrift ,, The Studio", und mehrere Jahrehindurch erschienen die Bände über die, Peasant Art" je eines europäischenLandes. 1911 war ,, Austria and Hungary" dran, und Haberlandt konnteoffenbar nichts anderes tun, als mit der gewandten Journalistin Miss Lewe-tus zusammenzuarbeiten, die das in verschiedenen Museen gefundene Mate-rial zusammenordnete 56. Für die Darstellung des Egerlandes war es viel-leicht gut, daß Charles Holme in seiner Einleitung feststellte, daß ihn dasFachwerk des Egerlandes an den altenglischen Cottagebau erinnerte. Diejüngere Fachforschung mag sich wundern, daß dem interessierten Schrift-steller das ganze dazwischenliegende deutsche Fachwerk entgangen war.Aber man muß bedenken, daß Holme ja niemals einen Band Peasant Artin Germany" geplant hat. Jedenfalls bot der Band von Holme, Lewetus undHaberlandt auch in Bildern Egerländer Stuben, Möbel, Schmuck, Brautkro-nen, gestickte Blusenärmel, wobei Lewetus auf die vornehmlich gewähltenFarben Blau und Gelb aufmerksam machte und Haberlandt auf den immerwiederkehrenden Dreisproß hinwies. Der Band konnte auch schon auf diePapiermalerei und die Hochzeitsbilder aufmerksam machen, nicht umsonsthatte ja Haberlandt in seiner leider so kurzlebigen Zeitschrift ,, Werke derVolkskunst auf diese Erscheinungen hingewiesen oder hinweisen lassen.Alois John konnte sich also 1912 über das englische Werk durchaus aner-kennend äußern 57.

Der Band verzögerte das Erscheinen von Haberlandts Hauptwerk,, Österreichische Volkskunst" kaum, das ab 1911 in Lieferungen erschien,die noch weit bis in den Ersten Weltkrieg hinein verschickt wurden 58. Die-ser Krieg hat es wohl auch verhindert, daß das Werk so berühmt und be-

55 Inserat Alexander Quintus( Unser Egerland, Bd. XIII, 1909, Nr. 9,S. 117, Inseratenanhang).

56 Charles Holme( Hg.), Peasant Art in Austria and Hungary. London1911.

57 Alois John, Egerländer Volkskunst in englischer Beleuchtung( UnserEgerland, Bd. XVI, 1912, S. 1 ff.).

58 Michael Haberlandt, Österreichische Volkskunst. Text- und Tafel-band. Wien 1911 ff.

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