sollten jeweils landschaftliche Kenner durchführen. Das gelang für mancheGegenden sehr gut, aber für Böhmen ergaben sich Schwierigkeiten. Hatte esdoch bisher vor allem im Egerland Bauernhausforschung nur in Anfängen,in schlichten heimatkundlichen Beschreibungen gegeben. So ergab es sich,daß, vielleicht auf Anregung Haberlandts hin, Alois John diese Angelegen-heit in die Hand nahm und einen Architekten aus Dresden zu sich einlud 52.Der fertigte nun auf Johns Rat die Bilder und Zeichnungen von Höfen inMatzelbach und von der Mühle in Konradsgrün, just jenem Gebäude, ausdem die Einrichtung bereits nach Nürnberg abgewandert war. Die Blätterwurden übrigens sehr instruktiv und bereicherten das Bauernhauswerkdurchaus 53. Bruno Schier hat noch dreißig Jahre später festgestellt, daß,, diese erste großzügige Zusammenfassung" wohl ,, nach unseren heutigenAnforderungen etwas verfrüht, aber gerade deshalb umso anregungsreicher"gewesen sei. Schier dachte dabei an die Bilder von Carl Schmidt aus Dres-den, wogegen er den Text weniger loben konnte, der ja verhältnismäßigbald veraltete. Nur die Hausformenkarte, die Anton Dachler entworfenhatte, fand auch noch das späte Lob Schiers, weil sie ,, für Böhmen erstmaligden Versuch machte, die Grenzen von Blockbau und Fachwerk, von Umge-binde und Ziergiebel festzustellen" 54. Was die Karte gerade im Egerlandleisten sollte, wo das Fachwerk des Obergeschosses des Wohnhauses aufeinem Erdgeschoß aus Blockbau aufsitzt, ist heute freilich nicht mehr ganzklar.
Die schwierige Frage der Bauernhausformen im Egerland war somitzumindest mit österreichischer Mitwirkung fürs erste gelöst, besser als dieder Trachten, die Albert Kretschmer ganz für Leipzig gesichert hatte, undjene der Möbel, die im Nürnberger Museum prangten. Vermutlich waren esErkenntnisse dieser Art, die Michael Haberlandt bewogen, Erwerbungenauch nach diesen Richtungen doch auch im Egerland vorzunehmen. Manmuß dabei gewiß bedenken, daß das junge Museum stets über sehr wenigGeld verfügte, und Haberlandt und seine wenigen Mitarbeiter auch kaumüber die Zeit, um Feldforschung in dem weit entfernten Nordwesten Böh-mens zu betreiben. Man mußte sich auf Schenkungen und Ankäufe auf dieEntfernung hin einstellen wie in anderen Fällen auch. Zunächst versuchteman es offenbar mit kleineren Ankäufen bei dem Egerer AltbürgermeisterKarl Ertl, der einen Antiquitätenhandel betrieb, und dann kam die Anzeigedes Egerer Graveurs Alexander Quintus in der Zeitschrift„ Unser Eger-land", daß er die verschiedensten„ Egerländer Truhen, Schränke, Zinn,Nähwerke, Gold- und Silberhauben, Trachtenstücke, Silberschmuck" werde
52 Alois John, Ländliche Bauten aus dem Egerland( Unser Egerland,Bd. X, 1906, S. 2 ff., mit 2 Tafeln).
53 Es handelt sich um die Blätter Böhmen Nr. 4, 10 und 11.
54 Bruno Schier, Hausforschung in den Sudetenländern( Unser Eger-land, Bd. XXXVIII, 1934, S. 101 ff.).
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