Grundlage eines ganzen neuen Museums in Eger ausmachen sollten 47. NachWien kam durch diese Sammler nichts, was verschiedene Gründe habenmochte. Es waren sicherlich nicht zuletzt politische Gründe, denn MichaelHaberlandt und seine Gründung war reichsösterreichisch eingestellt, dieZeichen wiesen bereits in die Richtung auf den Erzherzog- ThronfolgerFranz Ferdinand. Die Deutschen in der Monarchie, besonders in Böhmen,sahen die Dinge anders, und im Egerland entsann man sich immer wiederder engen Nachbarschaft zur Oberpfalz, zu Bayern. So ist es wohl auch zuverstehen, daß das Museum in Wien um die Jahrhundertwende noch keinEgerländisches Möbel besaß, wogegen man es dem Germanischen National-museum in Nürnberg leicht machte, sich damit ausreichend einzudecken.Die direkten Beziehungen zwischen Eger und Nürnberg in dieser Hinsichtwerden sich trotz des erhaltenen Briefwechsels des Museums wohl nichtganz erhellen lassen 48. Jedenfalls bot Alois John dem damaligen ErstenDirektor des Nürnberger Museums, Gustav von Bezold an, einen entspre-chenden Sammelaufruf in seiner Zeitschrift ,, Unser Egerland" zu veröffent-lichen, und 1901 hat Bezold wirklich diesen Aufruf publiziert 49, dem inkürzester Zeit beträchtlicher Erfolg beschieden sein sollte. Man wollte inNürnberg eine Egerländer Stube einrichten wie man ähnliche Wohnräumeaus anderen deutschen Landschaften schon besaß. Durch den Aufruf kamman zu Möbeln, die im wesentlichen aus der Mühle von Konradsgrünstammten, und rasch kamen weitere Stücke dazu, auf die vor allem dergroße Sammler Michael Müller hinwies. Müller war es auch, der zwei Jahrespäter das Nürnberger Museum besuchte und 1903 einen recht befriedigtenBericht über die Egerländer Stube dortselbst veröffentlichte 50.
Eine zweite Aktion verlief in jenen für die Sammlungsgeschichte sowichtigen Jahren nach 1900 ganz ähnlich. Die Ingenieur- und Architekten-Vereine in Deutschland und in Österreich hatten sich durch die aufblühendeBauernhausforschung bewogen gefühlt, je ein großes Mappenwerk mitsauberen Bildern und Zeichnungen als große Materialgrundlage für dasbisher ja kaum schon überblickbare Gebiet bewerkstelligen zu lassen. DasBauernhauswerk für Österreich- Ungarn wurde, was die Texte betraf, in dieHände des bewährten, wenn auch einseitigen, Anton Dachler und des viel-seitigen Michael Haberlandt gelegt 51. Die Aufnahmen und Zeichnungen47 Alois John, Dr. Müllers Egerländer Sammlung( Unser Egerland, Bd.XXIX, 1925, S. 56 ff.).
48 Bernward Deneke, Die Egerländer Stube im Germanischen National-museum Nürnberg. Zur Geschichte musealen Sammelns und Darbietens ländlicherAltertümer( Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde, Bd. 16, 1973, S. 254 ff.).
4B Gustav von Bezold, Aufruf bezüglich einer Egerländer Stube imGermanischen Nationalmuseum Nürnberg( Unser Egerland, Bd. V, 1901, S. 1).50 Michael Müller, Die Egerländer Stube in Nürnberg( Unser Egerland,Bd. VII, 1903, S. 31).
51 Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn. Hg. vom Öster-reichischen Ingenieur- und Architekten- Verein. Text und Tafelbd. Wien 1908.
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