Zeitschrift ,, Unser Egerland", die ohne wesentliche Unterbrechungen von1897 bis 1943 bestand. Von John und seiner Zeitschrift sind jahrzehnte-lang alle wesentlichen Anregungen zur Sammlung ausgegangen, und umge-kehrt hat John mit einer erstaunlichen Einfühlungskraft alle für die Eger-länder Volkskunde wesentlichen Anregungen festgehalten, und womöglichauf Grund von Neuerscheinungen, sei es in Österreich oder in Deutschland,weitere Materialien zu dem betreffenden Thema gesammelt und veröffent-licht. John kannte sich und seine Bedeutung sehr gut und hat in zahlreichenselbstbiographischen Notizen darauf hingewiesen, hat gelegentlich seineheimatkundlichen Schriften kleineren Umfanges in einem Sammelbandzusammengefaßt 44, so daß man über seine Bedeutung keine Zweifelhaben konnte. Aber sein Werk ist damals doch sehr organisch mit derösterreichischen Volkskunde mitgewachsen, was bezeichnenderweise vonMichael Haberlandt in seiner eigenen Zeitschrift immer berücksichtigt undanerkannt wurde.
Sammlung und Forschung in Wien waren zunächst ihren eigenen Weggegangen 45. Die ersten Sammlungsbestände aus dem Egerland sind noch imNaturhistorischen Museum nachzuweisen, wo seit 1879 einzelne Stücke derPrähistorisch- Ethnographischen Abteilung zukamen. Zunächst offenbar zu-fällige Widmungen infolge persönlicher Beziehungen, dann schon Trachten-und Schmuckstücke aus Westböhmen, die doch bereits eine bestimmte Ten-denz der weiteren Sammlung erahnen lassen. Als die beiden Kustoden andieser Abteilung des Naturhistorischen Museums, Michael Haberlandt undWilhelm Hein, ihr eigenes ,, Museum für österreichische Volkskunde" zugründen beschlossen, 1894, und zu diesem Zweck eben den Verein fürVolkskunde schufen, wurden ihnen derartige Einzelstücke bereits als Leih-gaben mitgegeben. Die erste Aufstellung im Gebäude der Börse, 1897 eröff-net, zeigte freilich kaum schon Objekte aus dem Egerland 48. Der Zugang inden nächsten zwanzig Jahren ist dann zweifellos nicht zuletzt auf die An-regungen zurückgegangen, die man Alois John und seiner Zeitschrift sowieseinen Beiträgen in Haberlandts Zeitschrift zu verdanken hatte. Wuẞte mandoch erst durch diese Fühlungnahme, was man sich eigentlich unter„ Eger-länder Volkskunst" vorstellen sollte.
Die Sammlungen im Egerland mußten im wesentlichen Privatsamm-lungen bleiben. Das Museum der Stadt Eger konnte nur wenig aus diesemBereich aufnehmen. Sammler wie der Franzensbader Arzt Michael Müllerdagegen vermehrten ihre Bestände dermaßen, daß sie für späterhin die
44 Alois John, Egerländer Heimatbuch. Gesammelte Aufsätze. Eger 1907.45 Leopold Schmidt, Das Österreichische Museum für Volkskunde.Werden und Wesen eines Wiener Museums(= Österreich- Reihe, Bd. 98/100),Wien 1960.
46 Michael Haberlandt, unter Mitwirkung von Wilhelm Hein undFranz X. Größl, Katalog der Sammlungen des Museums für österreichischeVolkskunde. Wien 1897.
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