schriften sind damals nicht veröffentlicht worden, genauso wie die von Erz-herzog Johann angeregte Knaffl- Handschrift 26, beide sind wie diese in denArchiven in Vergessenheit geraten. Nur die große Energie von Alois Johnhat in der zweiten Blütezeit der Egerländer Volkskunde die Handschriftenvon Grüner und Huß zur Veröffentlichung gebracht, 1901 und 1910,wogegen die Knaffl- Handschrift im Grazer Archiv noch zwanzig Jahrewarten mußte, bis sie Viktor von Geramb 1928 endlich herausgab.
Goethe blieb mit Grüner in persönlicher Verbindung. Er lud ihn sogarnach Weimar zu sich ein, und Grüner verbrachte dort, wie er immer dank-bar betonte, den Höhepunkt seines Lebens. Dreißig Jahre später hat er seineErinnerungen an Goethe in einem eigenen rührenden Büchlein festgehal-ten 27. Im Goethehaus wurde man durch ein von einem der HausmalerGoethes, Schmeller, gemalten Bildnis an den Egerer Rat erinnert, ohne daßall dies freilich für die weitere Geschichte der Volkskunde auf Jahrzehntehinaus irgendwelche Folgen gehabt hätte. Das von Goethe selbst eingeleiteteZeitalter der neuen Naturwissenschaften wandte sich doch zunächst vonjenen Bestrebungen ab; das Industriezeitalter der vierziger und fünfzigerJahre kam ganz ohne Volkskunde aus. Daß ab und zu einmal ein Maler dasLand besuchte und einen ihm interessant erscheinenden Typus porträtierte,mag am Rande festgehalten sein: Die feine Bleistiftzeichnung eines Eger-länder Dudelsackspielers von Friedrich Treml( 1816-1852) ist immerhin einschönes Zeugnis für die nachlebende Romantik( 65) 28. Es wird dergleichenviel mehr gegeben haben, was sich nur mangels einer Geschichte der künstle-rischen Trachtendarstellung einstweilen nicht überblicken läßt. Für diegleiche Zeit, in der Treml gezeichnet hat, sei hier jedenfalls darauf hinge-wiesen, daß auch von Carl Spitzweg derartige Skizzen vorliegen könnten.Spitzweg war auf seiner Reise nach Böhmen am 13. September 1849 vonEger kommend auf einem Ausflug mit dem Eilwagen nach ,, Franzensbrunn"gekommen. Den Heimweg nach Eger legte er zu Fuß zurück und begegneteLandleuten, deren Tracht er in seinem Tagebuch beschrieben hat. Eingedenkder Trachtenbilder Spitzwegs aus bayrischen Landstrichen muß man es sehrbedauern, darüber nicht mehr zu wissen 28a. Es soll dabei immerhin daran
Derselbe, Die wieder aufgefundenen Manuskripte des Rates Grüner( Unser Egerland, Bd. I, 1897, S. 15 ff.).
26 Die Knaf fl- Handschrift, eine obersteirische Volkskunde aus demJahre 1813. Hg. Viktor von Geramb(= Quellen zur deutschen Volkskunde,H. II) Berlin und Leipzig 1928.
27( Sebastian Grüner), Briefwechsel und mündlicher Verkehr zwischenGoethe und Rat Grüner. Leipzig 1853.
28 Friedrich Treml( 1816-1852), Bleistiftzeichnung: Sitzender Dudel-sackspieler. Um 1840. Österreichisches Museum für Volkskunde, Inv.-Nr. 61.361.
28 Siegfried Wichmann, Spitzweg auf der Reise nach Prag mit Post-kutsche, Eisenbahn und Dampfschiff, von ihm eigenhändig aufnotiert und illu-striert. München 1963.
Vgl. auch Hugo Rokyta, Die böhmischen Länder. Salzburg 1970, S. 126,169 und öfter.
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