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Alte Volkskunst aus dem Egerland : Katalog
Entstehung
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diesen zweifellos auch angeregt, auch wenn er nicht die FehlinterpretationenKronbiegls übernahm. Goethe setzte sich, man bedenke sein hohes Alter,nicht mehr kritisch mit solchen Erscheinungen auseinander. Ihm war wie ehund je das unmittelbare Erlebnis von größerer Wichtigkeit. Dementspre-chend kann man seine Schilderung des Vinzenzifestes", des Birnsonntagsvon Eger, eingetragen am 26. August 1821, in seinen Tagebüchern nochimmer mit Gewinn lesen 21.

So hat Goethe viel an Sammlung und Niederschrift angeregt, obwohler mit den Dingen nicht allzu nahe bekannt wurde. Seine geologischenInteressen überwogen damals vollständig, und er ist mit Grüner doch lieberauf den Kammerberg, den merkwürdigen erloschenen Vulkan des Egerlan-des gefahren, als daß er über die Hochzeitstrachten und ihre eventuellenVerbindungen diskutiert hätte. Man muß ja dabei bedenken, daß Trachtenwie die des Egerlandes dem Dichter nichts Fremdes waren. Er kannte nichtnur die von Sachsen- Altenburg, sondern auch die besonders nahe verwand-ten von Thüringen 22, man sah sie nach 1800 ja schließlich noch an jedemSonn- und Feiertag. Daß sie im Egerland in Abnahme begriffen waren, daßsie nur mehr ganz besonders betont auf den gemalten ,, Brautzügen" vor-kamen, und schon die für die Hochzeiten bestimmten Möbel vor allem mitstädtischen Modekostümen bemalt wurden, das beschäftigt uns heute, istaber für den miterlebenden Badegast in Karlsbad und Marienbad nicht vonWichtigkeit gewesen.

Es freute ihn selbstverständlich, daß Grüner sein Manuskript ,, Über dieältesten Sitten und Gebräuche der Egerländer" 1825 abschloß und ihm eineprachtvoll ausgeführte Handschrift mit acht farbigen Bildtafeln nach Wei-mar schickte 23. Eine zweite Ausführung schickte Grüner an den FürstenMetternich, offenbar mit der Intention, sie dem Kaiser Franz I. zu über-reichen. Aber es waren die Jahre nach 1819, nach dem Wartburgfest, undMetternich hatte zweifellos nicht die Absicht, irgendetwas über das ,,, Volk"dem Kaiser zu überreichen, der ähnliche Pläne und Ausführungen schon beiseinem Bruder Erzherzog Johann nicht schätzte 24. So blieb die zweite Aus-führung beim Fürsten Metternich, im Schloß Königswarth 25. Beide Hand-

21 Alois John, Goethe und die Egerländer Volkskunde. Das Vinzenzifestin Eger( Unser Egerland, Bd. X, 1906, S. 12 f.).

22 Luise Gerbing, Die Thüringer Trachten in Wort und Bild, dargestelltund erläutert. Erfurt 1925.

23 Sebastian Grüner, Über die ältesten Sitten und Gebräuche der Eger-länder. 1825 für J. W. von Goethe niedergeschrieben. Hg. Alois John(= Beiträgezur deutsch- böhmischen Volkskunde, Bd. IV/ 1), Prag 1901.

24 Viktor Gera mb, Ein Leben für die Anderen. Erzherzog Johann unddie Steiermark. Aus dem nachgelassenen Manuskript bearbeitet von Oskar Müllern.Wien 1959.

25 Alois John, Auffindung zweier Original- Handschriften von Seb. Grü-ners Manuskript ,, Sitten und Gebräuche der Egerländer"( Zeitschrift für Öster-reichische Volkskunde, Bd. III, 1898, S. 186 ff.).

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