die große Sammlung von Achim von Arnim und Clemens Brentano ,, DesKnaben Wunderhorn" von 1806 zurückgehen. Vielleicht hat ein adeligerGrundherr, der die Bestrebungen der sich entfaltenden„ Gesellschaft derMusikfreunde" in Wien kannte, den Lehrer Kraus dazu angeregt, die120 Seiten starke Handschrift anzulegen, die mit ihren aktuellsten Lie-dern sogar die unmittelbar vergangene Napoleon- Zeit noch berücksich-tigte. Die Sammlung ist ähnlich wie viele ihresgleichen lange in den Archi-ven liegengeblieben. Hruschka und Toischer haben sie glücklicherweise inihren ,, Deutschen Volksliedern aus Böhmen", 1891, verwenden können 10.Eine Gesamtausgabe erfolgte erst 1975 durch Johannes Künzig 11.
Das war schon ein beträchtlicher einheimischer Grundstock, der nurfreilich kaum im engsten Kreis bekannt war und blieb, und daher nichtweiterwirken konnte. Für die Reisenden blieben immer noch greifbarcBücher, vor allem Reisebeschreibungen, von Bedeutung. Am nachdrücklich-sten ist hier das Werk von Marcel des Serres zu nennen, der seine Reiseoffenbar knapp nach den Napoleonischen Kriegen 1815 durchgeführthat 12. Sein Werk ,, L'Autriche, ou Moeurs, usages et costumes des habitantsde cet empire" ist in fünf Bänden 1821 in Paris erschienen. Es enthält im5. Band eine Beschreibung der Egerländer Tracht und bietet vier kolorierteKupferstiche als anschauliche Bereicherung dazu. Die Stiche zeigen 1. EineBäuerin mit ihrer Tochter im Winteranzug, 2. Einen jungen Bauern imWinteranzug, 3. Eine Braut in der Hochzeitstracht, und schließlich 4. EinPaar, nämlich Bursche und Mädchen. Als das Werk von Marcel des Serreserschien, hatten sich mindestens zwei Männer im Egerland bereits mit ein-schlägigen Stoffen beschäftigt. Dies waren der Scharfrichter von Eger CarlHuß und der Egerer Magistratsrat Josef Sebastian Grüner. Beide warenschon Sammler verschiedenster Dinge, aber die Begegnung mit Goethelenkte sie auf die Bahn der volkskundlichen Beobachtung 13. Goethe lerntesie kennen, verkehrte gesellschaftlich mit ihnen, speiste gelegentlich beiihnen. Zu Huẞ nahm er 1806 sogar Madame Unzelmann zum Frühstück imScharfrichterhaus mit 14. Er hat vielleicht auch dazu beigetragen, daß der
10 Alois Hruschka und Wendelin Toischer, Deutsche Volksliederaus Böhmen. Prag 1891.
11 Lobser Liederhandschrift 1816. Sammlung von 47 weltlichenVolksliedern. Zusammengetragen von Karl Kraus, Schullehrer im Dorfe Lobs,Herrschaft Falkenau. Hg. Johannes Künzig(= Musikalische Volkskunde.Materialien und Analysen, Bd. III), Köln 1975.
12 Marcel de Serres, L'Autriche, ou moeurs, usages et costumes deshabitants de cet empire. Paris 1821.
Die das Egerland betreffenden Stellen in Bd. V, S. 72-77 finden sich exzer-piert und übersetzt in: Unser Egerland, Bd. II, 1897, S. 16 ff.
18 Vgl. Johannes Urzidil, Goethe in Böhmen. Berlin- Darmstadt-
Wien 1965, wo die ältere Literatur genau verwertet wurde.
14 Goethe, Tagebücher(= Weimarer Goethe- Ausgabe, III. Abt.) vom5. August 1806.
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